Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1301055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1304144
248 
Zweites Buch. 
Decoration. 
nach dem Ausdruck der Leichtigkeit streben. Die Römer gingen hierin 
ohne Zweifel noch weiter als wir es aus den vorhandenen Resten (Sof- 
fitten zwischen Ternpelsäulen, Cassetten an Flachdecken und Gewölben) 
nachweisen können; ihre sprichwörtlich gewordenen Lacunaria waren 
gewiss oft mit Pracht überladen. Allein es war bei WVeitem nicht genug 
davon erhalten oder bekannt, um die Renaissance für die Flächenverzie- 
rung im Allgemeinen zu fördern. 
Im Mittelalter begnügte sich der romanische sowohl als der gothische 
Styl, wo sie die Flächen nicht den Figuren überliessen, mit aufgemalten 
Teppichmotiven.  
Die Decoration des Islams, gemalt, glasirt oder mosaicirt, ist lauter 
fortlaufender Teppichstolf ohne Rücksicht auf eine bestimmte begrenzte 
Fläche. Das Ungenügende des Princips wird besonders an den Gefässen 
sichtbar.  Von der byzantinischen Flächenverzierung gilt beinahe das- 
selbe. 
Das einzige Präcedens für das, was die Renaissance z_u leisten sich 
anschickte, waren spätrömische Pilaster zumal aus diocletianischer Zeit, 
welche Arabesken von Äeinem Rahmenprofil umgeben enthalten. (Pilaster 
am Arco de" Leoni zu Verona;  am Bogen der Goldschmiede zu Rom 
enthalten die Pilaster nur reich geschmückte Feldzeichen.) 
Die Renaissance zuerst respectirte und verherrlichte eine bestimmte 
Fläche als solche. Die Vertheilung oder Spannung des Ziermotives im 
Raum, seine Beziehung zum umgebenden Rahmen oder Rand, der Grad 
seines Reliefs oder seiner Farbe, die richtige Behandlung jedes Stoffes 
schaffen zusammen ein in seiner Art Vollkommenes. 
Dass man jedoch im Ganzen die Alten nicht erreicht habe, ist das 
Gefühl Vasaris; XI, p. 74, v. di Mosca. 
132. 
Uebersicht 
der 
Ausdrucksweisen. 
Die Formensprache der Renaissancedecoration ist ungeheuer reich 
und redet fast an jedem einzelnen Werk aus verschiedenen Tönen zu 
gleicher Zeit. Das Hauptelement ist ein ideal-vegetabilisches, auf allen 
Stufen von dem beinahe Wirklichen bis zur traumhaft spielenden Ver- 
flüchtigung und andererseits bis nahe an die mathematische Versteine- 
rung. Dazu kommen figürliche Darstellungen, welchen die Decoration 
nur als Einfassung dient; dann figürliche Zuthaten innerhalb der Deco- 
ration selbst, sowohl Menschen und Thiere als leblose Gegenstände; endlich 
Uebergänge aus dem Vegetabilischen in das Menschliche und Thieri- 
sehe. Dieses Alles kann im Hachsten wie im stärksten Relief , ja in
        

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