Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1301055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1304079
Kapitel. 
Gärten. 
241 
Prätension, theils Belegung mit Muscheln, 
Alberti a. a. O. spricht davon. 
wie 
die Alten 
liebten. 
Schon 
Volle 
Herrschaft 
der 
Architectur. 
Im XVI. Jahrh. wird die Herrschaft der Architectur über die 
Gartenkunst nicht bloss thatsächlich durch Ueberlassrlng der letztern 
an die Baumeister, sondern auch principiell ausgesprochen. 
Bandinelli an Guidi 1551, Lettere pittoriehe I, 38: le eose ehe si 
murano, debbono essere guida e superiori a quelle ehe si piantano. 
Serlids Pläne von Gartenbeeten, Ende des IV. Buches, xwelche auch 
per altre eose dienen könntenß sind in der That angelegt wie ein regel- 
mässiges arehiteetonisehes Ornamentenfeldß 
Bei wechselndem Niveau, sobald die Abstufung in ihr Recht trat, 
gewannen ohnehin streng symmetrische Anlagen von Terrassen, Balu- 
straden und Treppen die Überhand. 
Entscheidend wirkten vielleicht die prächtigen Rampentreppen, welche 
in Bramantels grossern vaticanischen Hauptbau (ä. 97, 117) aus dem 
untern Hof in den obern Garten (giardino della pigrla) führten, dessen 
letzten Abschluss jene colossale Nische mit oberer Säulenhalle bildet. 
Der obere Garten enthielt ohne Zweifel jene pratelli e fontane, welche 
Bandinelli (ibid.) als Muster aufstellt i). Dass die Rampen wirklich aus- 
geführt waren, beweisen alte Abbildungen im Speculum romanae niagni- 
ficentiae. An ihre Stelle traten später Zeughaus, Bibliothek und Braccio 
nuovo, sodass die majestätische Längenperspective des Hofes und Gartens 
verloren gegangen ist. Bandinelli erwähnt weiter Anlagen, welche Rafael 
für Leo X. und für Clemens Vll. gemacht habe; letzteres nur dann richtig, 
r) Nur von diesem Garten, nicht von dem belvederischen achteckigen Hof, reden 
Wohl die venezianischen Gesandten des Jahres 1523 (bei Tommaso Gar, relazione 
della. corte di Rorna, p. 114,  Damals War die eine Hälfte mit Rosen, Lorbeern, 
Maulbeeren und Gypressen bepflanzt, die andere mit Backsteinplatten gepflastert, 
zwischen Welchen regelmäßig angeordnet die schönsten Orangenbäume emporstiegen; 
in der Mitte lagen, einander gegenüber, Tiber und Nil mit Brunnen verbunden; in 
Nischen standen der Apoll und der Laocoon, in der Nähe des letztem die vaticani- 
sehe Venus; an der Halle gegen den hintern vaticanischen Garten hin (scheint es) 
war eine Fontaine, welche die Pflanzen des Gartens tränkte.  Unter Julius und 
Leo War diess Alles sehr zugänglich; Hadrian VI. beschloss schon in Spanien Alles 
zu sperren; Lettere di principi l, 87. 
Burck h ardt , Italien. Renaissance. Zweite Anti. 16
        

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