Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1301055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1303860
220 
Erstes Buch. 
Architectur. 
und Luft; arrideant omnia; Abwechselung von quadratischen Räumen 
mit runden und wiederum mit eckigen und mit gemischten aus runden 
und geraden Linien; eine innere Verbindungshalle, sinus interior, um 
welche Alles herumgruppirt zu denken ist, Alles mit Einem Niveau, bloss 
Erdgeschoss; conclavia : Zimmer, coenacula : Säle. Als malerischer Wand- 
schmuck werden Landschaften mit bucolischer oder Genrestaffage empfohlen. 
Die Abwechselung der Räume auch bei Sannazar. eleg. L. III, 3, 
de exstruenda domo (1496-1501): Jungantur longis quadrata, obliqua 
rotuudis. Den mittlern sinus denkt er sich bereits oval oder auch rund: 
Aedibus in mediis parvi sinus amphitheatri 
Visendas regum praebeat historias  
Die Villenprojecte im VII. Buche des Serlio, soweit sie als villae sub- 
urbanae zu fassen sind, zeigen lauter abgeschlossene Einzelräurne, deren 
Verbindung fast nur durch diesen mittlern Sinus oder Saal geschieht; 
dieser rund, oval, achteckig oder viereckig, bereits mit einer Lanternina 
auf der Mitte. Ist der Saal oblong, so stehen sich an den beiden Lang- 
seiten in der Mitte Buffet und Kamin gegenüber. Was zur Bedienung 
gehört, im Kellergeschoss; Vorräthe etwa in einem verhehlten Obergeschoss 
mit Luken; die Einstöckigkeit dem Scheine nach immer noch streng 
durchgeführt; thatsächlich die kleinern Räume häufig halbirt. Bisweilen 
die einzelnen Theile sehr absichtlich von einander isolirt und selbst mit 
dem mittlern Saal nur durch Gange etc. zusammenhängend. 
Noch Palladio und Scamozzi (architettura, L. III) halten den grossen 
Mittelraum fest und characterisiren ihn nach aussen bisweilen als Kuppel; 
Steigerung der Aufgabe durch Zweistöckigkeit und Treppen. Dagegen die 
römischen Baumeister der besten sowohl als der sinkenden Zeit com- 
poniren den Bau als Oblongum, sodass etwa eine vordere und eine hintere 
Halle parallel laufen und kein Centralraum entsteht. 
117. 
Weitere 
heorie 
des 
Villenbaues. 
Im Ganzen wird besonders die Villa suburbana als wesentlicher 
Phantasiebau die verschiedensten Formen annehmen. Ihre Räume 
haben nur den Zweck, eine angenehme oder hohe Stimmung zu er- 
i) Die Villa, welche Sannazaro dann wirklich am Posilippo baute, wurde 
während der folgenden Kriege von den Spaniern unter Philibert von Oranien ver- 
wüstet. Sannazar, darob schwer erkrankt, hatte 1530 noch die Freude zu verneh- 
men, dass Philibert umgekommen sei, und erklärte, dass er nunmehr gerne sterbe, 
da der den Musen feindliche Barbar seinen Lohn erhalten habe. Paul. Jov. Elogia, 
sub Sannazario.
        

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