Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1301055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1303842
218 
Buch. 
Erstes 
Architectur. 
ohne Anschauung unklar. Der Neubau von Ostia durch Cardinal Estoute- 
ville unter Sixtus IV. , nmit neuen Strassen und Häusern zu Zier und 
Nutzens, vitae Papain, l. c. Col. 1064. 
In den sehr bedeutenden neuen Quartieren von Ferrara (ä. 112), 
welche unter Herzog Ercole I. (st. 1505) entstanden, herrscht der gerad- 
linige Bau, wo möglich mit Schneidungen in rechten Winkeln. Zum Jahre 
1,497 wird angemerkt, dass die Bauten hinter dem Anwachsen der Be- 
völkerung zurückblieben, dass keine Häuser mehr zu vermiethen waren. 
Die bedeutendste Gesammtanlage von künstlerischem Werth im 
XVI. Jahrh. war die Feste Castro, welche der Sohn Pauls IIL, Pierluigi 
Farnese, durch Ant. Sangallo d. j. (st. 1546) ausführen liess. Bei der 
Demolition des Ortes 1649 ging zwar Alles zu Grunde, allein die Zeich- 
nungen des Meisters sind noch in Florenz vorhanden. Deren Verzeichniss: 
Vasari X, p. 55, s., v. di Sangallo, commentario; eine herzogliche Be- 
hausung (osteria), Wohnungen und Paläste für Gefolge und Hauptleute, 
wie es scheint meist mit Hallen; eine Kirche mit Kloster; ein Münz- 
gebäude etc.  Ob von damaligen Festungen irgendwo die ganze Anlage 
kenntlich erhalten?  Palma nuova ist erst von 1593. 
Von dem gewaltigen Plan Nicolaus V., welcher in Rom den ganzen 
Borgo von der Engelsbrücke an sammt S. Peter und dem Vatican völlig 
neu bauen Wollte, ist nur eine gleichzeitige Beschreibung erhalten: 
Vitae Papan, bei Murat. III, II, Col. 931, ss. (Leben des Nicolaus, von 
Giannozzo Mannetti), Wovon Vasari IV, p. 222, s., v. di Bossellino nur 
ein Auszug ist. Der neue Borgo, als Wohnung aller Derer, welche irgend 
zur Curie gehörten, sollte aus drei parallelen Hallengassen bestehen, 
sämmtlich auf einen grossen Platz vor S. Peter ausniündend; die mittlere 
sollte auf die Hauptpforte der Kirche gerichtet sein, diejenige links auf 
die Gegend des (damals noch seitwärts stehenden) Obelisken, diejenige 
rechts auf die Porta palatina des Vaticans. Letzterer, sowie die Vorbauten 
von S. Peter verrathen eine sich steigernde Pracht, von welcher hier 
Rechenschaft zu geben unmöglich ist. Für einen Architecten von Phan- 
tasie ein lohnendes Thema zum Restauriren. (Thcatrum bedeutet hier 
eine Loggia oder offene Halle, ooenactllum einen Saal überhaupt. Nach 
einer andern Ansicht sollte der Obelisk bereits auf die Hattptaxe von 
S; Peter versetzt werden.) 
L
        

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