Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1301055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1303818
XIII. 
Kapitel . 
und 
Correctionen 
neue Stadtanlagen. 
215 
liessen, Waren ausser den Vorbauten aller Art besonders die Strassen- 
hallen zuwider, welche früher in mehrern Städten vorgeherrscht haben 
müssen, WO sie jetzt nicht mehr sind. Rom und Neapel haben aus 
politischem Grunde keinen Hallenbau. 
Als König Ferrante von Neapel 1476 Sixtus IV. besuchte, machte 
er dem Papst begreiflich, er könne sich nie wahrhaft als Herrn von Rom 
fühlen, so lange die engen Strassen, die Erker und die Portiken vorhan- 
den seien. Zunächst unter dem Vorwand der Pflasterung begann 1480 
deren Demolition. Infcssura, bei Eccard, scriptores II, Col. 1897, 1900. 
Sixtus widmete der Sache den grössten persönlichen Eifer, und sparte 
auch die Gewaltthaten nicht. Jae. Volaterran. bei Murat. XXIV, C01. 166, 
18-5. Senarega, bei Murat. XXIV. 
Frühere Correctionen von Rom unter Nicolaus V., der u. a. durch 
Demolitionen den Platz an der Engelsbrücke schuf, nachdem beim Jubi- 
leurn von 1450 Hunderte von Menschen darauf erdrückt worden waren. 
Sixtus IV. baute Ponte Sisto u. a., um bei Jubileen den Rückstrorn deri 
Pilger auf diesen Weg zu leiten, Vitae Paparum, bei Itlurat. III, II, 
Col. 924, 1064.  Pius II. benützte in Viterbo_1462 den Anlass seiner 
prächtigen Fronleichnamsfeier (ä. 187), um in der Hauptstrasse alle Vor- 
bauten und Erker zu zerstören, wdem öffentlichen Besitz, was ihm ent- 
zogen War, zurückzuerstattenß 
Später corrigirte Clemens VII. in Rom sehr rücksichtslos und ohne 
Vergütung an die Beeinträchtigten; Varchi, stor. fiorent. l, p. 45. Paul. 
Jovii vita Pomp. Columnae. 
In Neapel Waren auch nach Ferrante noch manche Portiken übrig, 
darunter antike, grottenähnliche, wo sich Räuber und Mörder aufhielten. 
Dieses Alles, sammt den noch vorhandenen, ebenfalls polizeilich gefähr- 
lichen Vorbauten liess der Vicekönig Toledo seit 1532 zerstören. S. dessen 
Leben, archiv. stor. IX, p. 18.  Wie zur Sehadloshaltung thürmt der 
neapolitaniscbe Philosoph Campanella in seiner vSonnenstadtx Hallen auf 
Hallen. 
Landstädte mochten ihre Portiken behaupten, während Residenzen 
sie verloren.  
114. 
Der Platz 
Sinne. 
monumentalen 
Von grössern neuen Gesammtanlagen oder Umbauten kommen 
zunächst die Piazze in Betracht, Welche vielleicht seit dem Alterthum 
die Stelle des Forums der betreffenden Stadt eingenommen und sowohl 
durch ihre Hallen als durch die anstossende Kirche (oder Hauptkirche)
        

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