Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1301055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1303714
XII. 
Kapitäl. 
Festungsbauten 
Spitäler, 
und Brücken. 
205 
Die schönste und grösste Osterie vor Porta S. Gallo zu Florenz, für 
die Feiertage der Gewerbsleute, zerstört 1529. Varchi, ed. Milan. III, p. 86. 
Ein eigener Kreis von Malereien, der sich in und an solchen Ge- 
bäuden entwickelte, theils lustiger und leichtfertiger Art, theils Wappen 
von Fürsten. Lomazzo, trattato deIParte, p. 349. 
Gebäude zu Zwecken des öifentlichen Vergnügens hatten nach 
aussen wahrscheinlich noch keine ausgeprägte Kunstform, oder es waren 
blosse Bauten des Augenblickes, oder sie sind, wenn sie schön waren, 
sonst untergegangen. 
Ueber das ganze Bau- und Decorationswesen des Theaters der Re- 
naissance s. unten ä. 192 bis 194. 
Herzog Galeazzo Maria Sforza von Mailand (1466 bis 1476) liess für 
das Ballspiel aweite grosse Säle bauen und ebenso für die Musike. Corio, 
storia di Milano, fol. 426.  
Falconetto (vgl. ä. 26) baute in Padua eine Rotunde für Musikauf- 
führungen, aklein, aber hübsche. Eine Nachahmung dieses nicht mehr 
vorhandenen Gebäudes glaubt Milizia (memorie degli archit. I, p. 269) zu 
erkennen in Palladids Rotonda (eigentlich Villa Gapra). 
In dem Hause des musikliebenden Luigi Cornaro zu Padua (jetzt 
Pal. Giustiniani), welcher den Falconetto viele Jahre hindurch bei sich 
hatte, enthält der zierliche Anbau im Hofe rechts ein Achteck mit Nischen, 
Welches ebenfalls zu solchem Zweck gedienthaben soll. Willkürlich ver- 
ändert bei Serlio, L. VII, p. 218, 223. Vgl.  119. 
108. 
Festungshau. 
Der 
In einer Zeit, da selbst der Krieg oft eine Sache der Kunst und 
der Eleganz wurde, musste auch der Festungsbau, so viel als möglich 
war , in den Kreis des Schönen gezogen werden. Dazu kam, dass 
einzelne Fürsten und ganze Dynastien, auf langes Wohnen in festen 
Schlössern angewiesen, für dieselben Bequemlichkeit und Schönheit 
verlangten. Die Zinnen des Mittelalters fallen weg; derbe Gesimse, 
bisweilen mit Consolen, Rustica an den Flächen oder wenigstens an 
den Kanten werden die durchgehende Ausdrucksweise sowohl für die 
Mauern der Bastionen und Schanzen, als für die Thürme und andere 
Freibauten, sobald die Mittel ausreichen.  
Die italienische Zinne, oben eingezackt, gibt zum letztenmal die 
durchgehende Bekrönung ab an den prachtvoll malerischen Festungswerken 
von Bellinzona, dem Werk des letzten Visconti.(1412-1447).
        

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