Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1301055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1303643
198 
Buch  
Erstes 
Architectur. 
ist ebenfalls eine Ausrede; die geringe Tiefe hätte einen mächtig grup- 
pirten Hochbau nicht ausgeschlossen und die Schmalseite gegen die Riva 
hätte sich schon maskiren lassen. Venedig wollte ein Meisterwerk nicht 
der Composition, sondern der Durchführung. 
Während des Baues publicirte 1544 Serlio (L. IV, fol. 154 oder 155), 
angeblich nur für ein raumsparendes venezianisches Wohnhaus mit Buden 
in der untern Halle, einen Entwurf, der Sansovinds Idee sehr schön in 
das Einfache, Schlankere und Edlere umdeutet. (Vgl. Fig. 129.) 
Palladio umbaute seit 1549 den alten Palazzo della Hagione seiner 
Vaterstadt Vicenza, ein nicht ganz regelmässiges Oblongum, rings mit 
einer untern dorischen und einer obern ionischen Halle; beidemale ist 
zwischen den Halbsäulen der Hauptordnung ein Bogen auf freistehenden 
kleinern Säulen derselben Ordnung eingesetzt. So entstand die ßBasilicaay 
das öffentliche Gebäude als solches, wie man es in ganz Italien gerne 
gehabt hätte, ganz in Hallen aufgelöst, gleich dem illarmorthurm von 
Pisa. An den Ecken wurden die Ungleichheiten auf das Geschickteste 
verdeckt. 
104. 
Familienloggien. 
Die 
Endlich musste das XV. Jahrh. einer eigenthümlichen Sitte ge- 
nügen, dem Bau dreibogiger offener Loggien, WO sich bei feierlichen 
Anlässen Corporationen oder bestimmte Familien versammelten oder 
Aufwertung annehmen. 
Um 1450 erwähnt M. Savonarola (1. c. col. 1179) zu Padua die 
prächtige, verzierte, auf 4 Marinorsäulen gestützte vLodia, Welche der 
Sitz der Rectoren und der Adlichen istr. 
Schon das XVI. Jahrh. verstand den Brauch offenbar nicht mehr; 
Vasari XI, p. 306, v. di Udine: adie Loggia Medici sei erbaut zur Bequem- 
lichkeit und zur Versammlung der Bürger, wie es die vornehmsten Bürger 
damals zu halten pflegtenß Laut Lettere sanesi III, p. 75 baute Pius II. 
die seinige, damit die Piccolomini sich daselbst versammeln könnten nper 
esercizi pubblici di lettere 0 di affarie. Lateinisch heisst sie urkundlich 
theatrum; Milanesi II, p. 322. Laut Vitae Papan, Murat. III, II, Col. 985 
hätte noch ein Palast daran gebaut werden sollen. 
Florenz hatte 1478 schon 21 solcher Familien-Loggien, wobei noch 
ein halbes Dutzend vergessen sein sollen; Varchi III, p. 107, ss. 
Als formales Urbild mochte die gewaltige Loggia de' Lanzi in Florenz 
gelten, wo die feierlichsten Aöte der Republik vollzogen Wurden; erbaut 
1375 von Orcagna, nachdem man noch 1356 gemeint hatte, dass eine
        

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