Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1301055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1303639
Kapitel. 
Die Composition 
des Palastbaues. 
197 
sein Werth liegt mehr in den glänzenden Einzelheiten (Biesentreppe, Scala 
d'oro und einige Wenige Räume des Innern, welche noch ihre Ausstattung 
aus dem XV. und beginnenden XVI. Jahrh. erhalten haben). 
 Die alten Procurazien in Venedig, für lauter Bureaux und Amts- 
wohnungen, das Erdgeschoss für Buden, nach der Platzseite ein fort- 
laufender Bau offener Hallen, wahrscheinlich weil die festliche Bedeutung 
des Marcusplatzes keine geschlossenen Fassaden geduldet hätte. (Die 
neuen Procurazien wiederholen dann das Motiv der Biblioteea, ä. 103, 
mit Zuthat eines Obergeschosses.  Vgl. auch ä. 114.) 
Auch die Börsen, loggie de" rnercanti, nebst den Zunftgebäuden, 
schliessen sich, wenn auch in kleinerni Massstab, dem Motiv der Stadt- 
paläste an, indem auch hier eine untere Halle mit Treppe und Neben- 
räumen, und ein oberer Saal für Versammlungen vorgeschrieben waren. 
Vgl. das Project bei Serlio, L. VII, p. 116, und aus der gothischen Zeit 
die Loggia de' niercanti zu Bologna. Bisweilen gehörte auch eine Gapelle 
dazu, wo jeden Morgen ad devotionem et commodum mereatorum eine 
Messe gelesen wurde. So im Palazzo della Mercanzia zu Siena, welcher 
sammt der Capelle (Urk. v. 1416 bei Milanesi II, p. 82, vgl. p. 93) gegen 
die Piazza hin schaut; auf der Rückseite gegen eine höher liegende Strasse 
wurde diejenige Loggia angebaut, welche jetzt Casino de' Nobili ist. 
103. 
Sansovino 
und 
Palladio. 
Wie schon in einigen der genannten Paläste das Längenverhält- 
niss und die Zahl der Hallenbogen willkürlich ist, so wurde, an zwei 
ganz exceptionellen Gebäuden, an Jacopo Sansovinds Biblioteca zu 
Venedig und an Andrea Palladids Basilica zu Vicenza der Doppelhalle 
als solcher, freilich in ihrer höchsten monumentalen Ausbildung, die 
Herrschaft völlig überlassen. 
Die Biblioteca S. 53. Es war eine ungerechte Kritik, wenn man 
dem Gebäude verwarf, es sei zu niedrig für seine Länge, da dasselbe als 
Hallenbau keine bestimmte Länge haben will. Der Architect aber gab 
bei seiner Verantwortung statt diescs wahren _Grundes Scheingründe an, 
vorausgesetzt, dass die Aufzeichnung des Sohnes (Franc. Sansovixio, Venezia, 
fol. 115) das vom Vater Vorgebraclite genau Wiedergebe. Derselbe gab 
z. B. ohne Noth zu, dass sein Bau im Vergleich mit dem Dogenpalast 
niedrig, aber ohne Rücksicht auf denselben entworfen sei; denn der Dogen- 
palast, welcher die Majestätder Republik darstellte, verlangte eine solche 
Rücksicht allerdings, und zwar in Gestalt einer Unterordnung der Biblio- 
teca. Dass die geringe Höhe durch die geringe Tiefe entschuldigt wird,
        

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