Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1301055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1302644
Buch. 
Erstes 
Architectur. 
 Im Norden schuf die spätromanische Phantasie in denselben Jahren 
 (bald nach 1200) das Zehneck von S. Gereon zu Köln und das Idealbild 
 des Graltempels und bald folgte der fast einzige grossartige gothische 
Versuch, die Liebfrauenkirche zu Trier.  Ein reines Achteck, die Karls- 
hofer Kirche zu Prag, s. bei Lübke, Gesch. d. Architectur, V. Aufl. S. 588. 
Für Italien ist wichtig die Bewunderung und der mythische Ruhm, 
Welche das Pantheon genoss (s. die Mirabilia Romae in den verschiedenen 
Redactionen) und noch mehr die hohe Stellung, welche man S. Lorenzo 
in Mailand anwies. Benzo von Alba im XI. Jahrh. sagt (ad Heinr. IV, 
ap. Pertz XIII, p. 680) von dem im Verfall begriffenen Urbau: numquid 
est in toto mundo aula tam mirabilis?  Arnulf von Mailand (gesta 
archiepp. Med. llI, 24, ap. Pertz X) bei Anlass des grossen Brandes: 
templum cui nullum in mundo simile.  Fazio degli Uberti um 1360 
(Dittamondo, L. III, c. 4) glaubt sich in dem agrossen und schönen Baue 
nach Rom versetzt. Auch der wahrste Beweis der Bewunderung, die 
Nachahmung, fehlt nicht (ä. 16). Der Eindruck beruhte auf der geist- 
vollen und imposanten Anordnung des obern und untern Umganges um 
den Kuppelraum. (S. Lorenzo erscheint rnir noch immer dem Grundplan 
nach, welcher hier entscheidet, als ein Palast- oder Thermenraum Maxi- 
mian's des Herculischen, um 300; unter Galla Placidia im V. Jahrh. nur 
umgeweiht zur Kirche. Die Gründe muss ich hier schuldig bleiben.) 
Die Baptisterien, zum Theil mit Umgängen, hielten die Uebung des 
Centralbaues wach; in Florenz erhielt sogar die Cathedrale diese Form 
(ä. 17, 19). Vgl. den walten Doms zu Brescia. Erst das Gothische gab 
dem Langbau wieder das Uebergewicht. 
Im Centralbau herrscht der Mittelraum, womöglich in Gestalt 
einer hohen Kuppel, gleichmässig über alles Uebrige, mögen es vier 
gleiche Kreuzarme oder ein Kranz von Capellen oder von Umgängen 
sein. Er soll innen schön über dem lichten Unterbau schweben, aussen 
mächtig darüber ragen.  
Bei der Anordnung von vier gleichen Kreuzarmen, welche mit der 
Zeit die vorherrschende wurde, fiel auch jedes Bedenken weg in Betreff 
des Hochaltars, dem man auf diese Weise einen verschliessbaren, besonders 
geweihten Raum ersten Ranges, den hintern Kreuzarm geben konnte. In 
der Mitte des Baues wollte man ihn nämlich niemals anbringen, und eine 
Stelle innerhalb eines blossen Umganges von Hallen u. dgl. war nicht 
ehrenvoll genug. Bei achteckigen Kirchen widmete man ihm daher einen 
besondern Ausbau, opferte aber die Einheit des Planes, die man beim 
griechischen Kreuz retten konnte. 
Mit dem Centralbau 
verbunden. 
ist 
das Wölben 
wesentlich 
und 
unvermeidlich
        

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