Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1301055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1302637
Kapitel. 
der Kirchen. 
Composition 
Die 
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Er hat zunächst als Raurnstyl (ä. 30, 32) ein Recht auf die 
Formen der vor ihm dagewesenen organischen u. a. Style und soll sie 
nach seinem innern Bedürfniss aufbrauchen, wobei ihn sein Genius führen 
wird. Er kann vielleicht einzelne dieser Formen noch für specifisch sacral 
halten, und auch die Renaissance hat einige Fenster- und Thürformen 
anfangs wirklich dafür angesehen, bis der Palastbau dem Kirchenbau 
diese Formen und sogar (mit Palladio) den Frontgiebel abnahm. Character 
und Bestimmung des Baues sind hier nur in der Gesammtform ausge- 
drückt; das Detail ist dem Heiligen und dem Profanen gemeinsam. 
Sehr bedenklich aber ist es, sich auf die geringere Religiosität des 
damaligen Italiens im Vergleich mit der gothischen Blüthezeit des Nordens 
zu berufen, ganz als 0b man Religiosität und kirchliche Rechtgläubigkeit 
unserer nordischen Baumeister des XIII. und XIV. Jahrh. genau messen 
könnte. Auf der andern Seite haben auch die sehr frommen Italiener 
der Renaissance nicht heiliger gebaut als ihre Zeit- und Kunstgenossen. 
Im Süden ist das Grosse und Schöne von selber heilig. Jeder mag 
entscheiden, ob dabei der Begriff des Heiligen niedrig oder der der Kunst 
hoch genommen sei. (Vgl. das Wort Michelangelds in der Relation des 
Francesco d'Olanda 1549, bei Raczynski, les arts en Portugal, p. 14: 
wDie wahre Malerei ist edel und fromm von selbst, denn schon das Ringen 
nach der Vollkommenheit erhebt die Seele zur Andacht, indem es sich 
Gott nähert und vereinigte  im Sinne des Sprechenden gewiss für die 
Kunst überhaupt geltend.)  
Wenn dann irgend etwas die religiöse Unsicherheit unserer Zeit be- 
weist, so ist es die ungemeine Empfindlichkeit gegen angeblich nicht 
heilige Formen. 
Centralbaues. 
des 
Wesen 
Wohl aber hat die Renaissance die höchste, allem Gothischän 
wesentlich überlegene kirchliche Bauform, den Centralbßll, bist nfilue 
an die absolute Vollendung ausgebildet und einer künftlgen Rehglosltat 
zum Vermächtniss hinterlassen. 
Der Gentralbau ist das letzte im Reich der absoluten Bauformen wie 
der griechische Tempel das erste. Seine Möglichkeiten sind noch lange 
nicht erschöpft; es mag Zwischenperioden geben wie unser XlX. Jahr- 
hünden, Welcheß das Pensum des XIII. noch einmal aufsagen muss  
immer von Neuem wird jene grosse Aufgabe auftauchen, wobei die Ver- 
suche der Renaissance als unentbehrliche Vorstufen glänzend in ihr Recht 
eintreten werden. 
Bnrckh ardt , Italien. Renaissance. Zweite Auü. 7
        

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