Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1301055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1302588
Erstes 
Buch. 
Architectur. 
Im Alterthum müssen complicirte Anlagen wie z. B. die Thermen 
wohl schon zu Modellen Anlass gegeben haben.  Die silbernen Tem- 
pelchen der ephesinischen Artemis? vgl. Acta Apost. XIX, v. 24, ss.  
Im Mittelalter häufig das flüchtige Modell einer Kirche in der linken Hand 
der Statue eines Stifters.  Das silberne Modell einer ganzen Stadt als 
Votivstück, ohne Zweifel mit deutlicher Angabe der Hauptgebäude: Parma 
1248 (Raumer, Hohenstaufen, IV, S. 182); Ferrara vor 1441 (Diario ferra- 
rese, bei Murat. XXIV, Col. 451). 
Modello bedeutet freilich oft auch Zeichnung, und wir dürfen nur 
Aussagen benützen, Welche deutlich in anderem Sinne gemeint sind. 
Andererseits kann disegno auch Wohl ein Wahres Modell bedeuten, wie 
z. B. Milanesi II, p. 272 disegno de 1a cera, für einen Prachtaltar. 
Der nordisch-gothische Aufriss auf Pergament gibt die Entwick- 
lung in die Höhe und auch der dazu gehörende Grundriss zeigt steno- 
graphisch zusammengedrängt, wie sich bei wachsender Höhe die ein- 
zelnen Theile vom Kern ablösen werden. Das Modell der Italiener 
dagegen zeigt cubisch, wie die Räume sich innen und aussen gestalten, 
theilen und folgen sollen und welches ihre grosse plastische Gesammt- 
erscheinung in Luft und Licht sein wird. 
Es ist eine Rechenschaft, die der Künstler nicht sich selber, sondern 
dem Bauherrn gibt, um der Phantasie desselben nachzuhelfen in einer 
Zeit, da bei jedem grossen Bau nach dem Originellen, Abweichenden und 
selbst nach dem Ungeheuern gestrebt wird; unentbehrlich zumal bei 
Kuppelbauten und beim Centralbau überhaupt. 
In Italien zur gothischen Zeit genügt für einfachere Kirchen und für 
Paläste einstweilen die blosse Zeichnung; Milanesi I, p. 227, s., 232, 246 
und selbst z. B. beim neuen Dom von Siena werden nur Pergamentzeich- 
nungen erwähnt. 
Für den florentinischen Domkuppelbau dagegen (1298) war nur durch 
ein Modell die nöthige Ueberzeugung und Begeisterung hervorzubringen. 
Ueber Arnolfds Modell und die davon vorhandenen Reste Vasari l, p. 256, 
257 Nota, v. di Arnolfo;  vita anonima di Brunellesco, ed. Moreni, 
p. 167. Vgl. S. 19.  Nach diesem Modell wohl die Abbildung in dem 
Fresco der rechten Wand in der Gap. degli Spagnuoli, bei S. M. novella 
vom Jahre 1322. 
Ausser aller Linie Steht, was in Bologna um 1390 für S. Petronio 
geschah, weil man sich der Ausführbarkeit und des Effectes vorher ver- 
sichern vvollte; im Palast des Giaeomo Pepoli wurde ein Modell in '11: 
der wirklichen Grösse, also 53 Fuss lang aus Stein und Gyps errichtet, 
und dieses 1406 wieder abgebrochen, nachdem ein anderes von 10 Fuss 
aus Holz und Papier verfertigt Werden war; erst auf letzteres, Welches
        

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