Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1301055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1302562
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Buch. 
Erstes 
Architectur. 
Vasari darf in seiner Introduction, WO er das Baumaterial bespricht, 
den Backstein schon völlig beschweigen.  
Der Character freudloser Grossartigkeit, welcher dieser Bauzeit im 
Vergleich mit der frühern eigen ist, kam zum Theil auch von der Sinnes- 
weise einzelner Fürsten her. 
Der Herzog (spätere Grossherzog) Cosimo I. (1537 bis 1574) zog die 
dorische Ordnung vor, aweil sie sicherer und fester sei als die andernc, 
wesshalb Vasari sie an den Uffizien (1560) anwenden musste; Ammanati 
aber bekam die dreiseitige, dreistöckige Hof halle des Pal. Pitti mit lauter 
Rusticaordnungen zu verzieren. 
Cosimo's Einmischung in alles Bauwesen, z. B. Gaye, carteggio II, 
p. 498 und zahlreiche andere Aussagen und Correspondenzen. 
Sein Sinn für Regelmässigkeit S. 83. Selbst die Girandola entsagte 
unter ihm den phantastischen Spielformen und lernte einen classischen 
achteckigen Tempel in Feuerwerk darstellen; Vasari X, p. 275, v. di Tri- 
bolo. Vgl. ä. 195. 
Die Rustica galt jetzt als Ausdruck des höhern Ernstes überhaupt. 
Versuche, ihr ein freies, sprechendes eigenes Detail zu schaffen, im Hof 
des erzbischöfl. Palastes zu Mailand, von Pellegrini; zaghafter an den 
Prigioni zu Venedig. 
Die schönen neuen Motive des Säulenbaues durch Abwechselung von 
Bogen und geraden Gebälken, ä. 35. 
Ferner jetzt häufiger die Kuppelung "(enge Zusammenstellung) von 
2 Säulen, sobald Verstärkung (etwa wegen Weite der Bogen) nöthig und 
doch der Pfeiler nicht erwünscht ist. So zumal in der genuesischen 
Schule. 
S. 57.  
 Die Verhältnisse. 
Mit Anwendung der bisher betrachteten Formen sammt (len 
eigentlichen Zierformen eomponirt die Renaissance ihre Bauten nach 
einem geheimen Gesetz, dem der Verhältnisse (ä. 30, 33, 38) Die- 
selben sind von allen, auch den römischen Vorbildern unabhängig und 
ein wesentlicher Besitz des modernen Weltalters, welches nie mehr 
ungestraft sich denselben entziehen wird. 
 Auf rein mathematischem Wege kann man nie zu durchgreifenden 
Regeln gelangen, weil ausser den Proportionen auch die stärkere oder 
schwächere Plastik der Formen die Wirkung entscheiden hilft, sodass bei 
denselben Verhältnissen ein Bau schlanker oder schwerer erscheinen kann. 
Es wäre zu wünschen, dass ein Wort existirte, welches ausdrücklich die 
Verhältnisse (worunter man gewöhnlich bloss Höhe, Breite und Tiefe ver-- 
steht) und die Plastik zugleich umfasste.
        

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