Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1301055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1302535
Kapitel. 
VII. 
XVI. 
Formenbehandlung 
Die 
Jahrhunderts. 
Vorzüglich in Rom wird mit der Rustica an Erdgeschossen, welche 
Kaufladen enthalten und daher des eigentlichen Schmuckes ledig sein 
sollten, mehr als Eine Neuerung versucht: quadratische Fenster, horizon- 
tale Keilsteinwölbung, verschiedene Nuancirung der Rustica u. s. w., Alles 
aus Travertinblöcken. 
Anderswo: Beschränkung der Rustica auf die Ecken, Weglassung 
der Verticalfugen etc.  
Aus einem Missverständniss, das sich an den Namen hängte, brauchte 
man sie in Gartenarchitecturen (ä. 125), wo das Zierlichste und Schmuck- 
reichste eher hingepasst hätte. Serlio, L. IV. 
Ihre berechtigte Anwendung an den Festungsarchitecturen (ä. 108, f.) 
und an Bauten ernsten Characters überhaupt, z. B. an Sansovinols Zecca 
(Münzgebäude) in Venedig (Fig. 30), wo die Rustica beinahe etwas Neues 
war; Vasari XIII, p. 86, v. di Jacopo Sansovino;  Franc. Sansovino, 
Venezia, fol. 115. Der Gegensatz von rustica ist (ebenda) gentile. 
Der Mörtel tritt an wichtigen Bauten des XV. Jahrh. wohl nur mit 
decorativer Bemalung auf. Im XVI. Jahrh. dagegen überlässt man ihm 
oft Alles, was Fläche bleibt (ä. 96), ohne ihn zu bemalen. 
Gewölbe 
Die 
Hochrenaissance. 
Die vielleicht grösste Neuerung, welche das Detail des Innern 
erleidet, liegt in den schönen Scheinformen der Gewölbe, welche mit 
Htilfe der Stuccatur und zum Zweck derselben sowie der Bemalung 
eingeführt werden. Die Renaissance gibt jetzt das Gewölbe rein in 
den Dienst des Schönen. 
Das Nähere s. unten bei Anlass der Decoration.  Erst mit der 
Vervollkommnung des Stucco (S. 174) werden die grossen, reich casset- 
tirten Gewölbe mit voller altrömischer Pracht der Profilirung möglich. 
Das Tonnengewölbe mit vollem Radius, ja überhöht (S. 48), Wird 
zugestanden und als solches decorirt besonders in Mittelschiffen von Lang- 
kirchen (S. 76, 77). 
Das niedrigere, halbelliptische dagegen, wie es zumal in Sälen und 
Galerien vorkommt, wird jetzt oft einer Scheinform unterthan: es erhält 
in der Mitte eine Fläche (Specchio) oder eine Aufeinanderfolge von Flächen; 
die Enden der von beiden Seiten her einschneidenden Kappen berühren 
den Rahmen derselben.  
In der sixtin. Capelle, einem Bau des XV. Jahrh., ist die constructive 
Form des Tonnengewölbes noch völlig sichtbar, und die scheinbaren 
Specchi gehören wie die ganze übrige Eintheilung dem Maler (Mjchel. 
angeln) an. 
        

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