Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1301055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1302512
VII. Kapitel. 
des XVI. 
Die Formenbehandlung 
Jahrhunderts. 
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den Gewölbebau berechneten Ante? Jedenfalls wird durch ihn das Dorische 
auf längere Zeit die Pilasterordnung im vorzugsweisen Sinne. 
Peruzzi's dorische Pilaster 1509 an beiden Stockwerken der Farnesina. 
Giulio Romano bringt über einem Hauptstockwerk mit dorischen 
Pilastern bereits ein Obergeschoss, welches in einfach umrahmte quadra- 
tische Flächen getheilt ist. 
Bei der ä. 51 erwähnten Ausstattung der Portale wurde die dorische 
Ordnung jetzt mit Vorliebe angewandt.  
Seit 1536 erbaute Jacopo Sansovino zu Venedig die Biblioteca, 
das prächtigste profane Werk des modernen Europa (Fig. 28), als 
wahre Exhibition der ionisehen und besonders der dorischen Ordnung. 
Das Motiv ist bekanntlich eine Doppelhalle von Bogenpfeilern mit 
Halbsäulen; in der obern Halle ruht der Bogen auf einer besondern 
kleinern cannelirten ionischen Ordnung. Die Venezianer Wollten sich 
endlich an der echten römischen Formenbildung ersättigen, nachdem sie 
bis dahin eine Renaissance mehr auf Hörensagen gehabt. 
Die Wirkung ist so schön, dass Sansovino auch für gewisse Frei- 
heiten Recht behält, z. B. für die Vergrösserung der Metopen auf Kosten 
des Durchmessers der Triglyphen und des Architravs.  
Der berühmte Streit über die Ecke ä. 29. Sansovino traf das einzig 
Richtige. Die feinern Freiheiten des echten Griechisch-Dorischen  gleich- 
viel ob sie optischen oder constructiven Ursprunges seien  wozu auch 
das Vorrücken der letzten Triglyphe auf die Ecke gehört, finden auf eine 
blosse Bekleidungsordnung, die ihrer Pfeilerhalle gehorchen muss, gar 
keine Anwendung; hier gehört die Triglyphe auf die Mitte ihrer Stütze, 
0b sie die letzte sei oder nicht und ob Vitruv etwas von Halbmetopen 
berichte oder nicht. Sansovino brauchte mindestens den Raum einer 
halben Metope, Wegen der unvermeidlichen Stärke seines mit Pilastern 
bekleideten Eckpfeilers, und bog also seine Metope in der Mitte um die 
Ecke. Vitruv hatte wohl mit seinen Semimetopia nur irgend ein Segment 
einer Metope überhaupt gemeint, die fanatischen Vitruvianer aber, Welche 
Sansovino umringten, gaben sich glücklicher Weise mit seiner buchstäb- 
lichen Deutung zufrieden. 
Vermehrung der Gontraste. 
In dieser Periode geschieht es häufiger, dass man statt der Pilaster- 
ordnungen Halbsäulen und zwar stark vortretend,  verdoppelt an- 
wendet, und zwar über einem Erdgeschoss in Rustica.
        

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