Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Renaissance in Italien
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1301055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1302433
VII. 
Kapitel. 
Formenhehalmdlung 
Die 
Jahrhunderts. 
des XVI. 
77 
Michelangelds 6 Braccien hohes Modell einer Ecke des Kranzgesinlses 
für Pal. Farnese; Vasari XII, p. 231, v. di Michelangelo. Auch Fenster, 
Säulen, Bogen etc. modellirte er seinen Bauführern und Steinmetzen gerne 
aus Thon vor, ohne Zweifel in einiger Grösse; Lettere pittoriehe I, 15, 
Benv. Gellini al Varchi 1546. Seine Gebäude scheinen dieses Verfahren 
durch eigenen Forinenausdruek zu verrathen. 
Die Wichtigste Seite der Festdecoration lag darin, dass man sich in 
Holz, Gyps und Carton rasche Rechenschaft von dem gab; was auch in 
Stein und in demselben Massstab wirken könne. Vgl. ä. 189. 
Sichtbar ist aus derselben in die Architectur herübergenolnmen u. a. 
der sog. Cartoecio, ein Versteinertes geschwungenes, auch Wohl ver- 
schlungenes Band oder Blatt von Carton. Vgl. Serlio, L. VII, p. 78, s. 
und Lomazzo, trattato dell" arte, L. VI, p. 421, wo die namhaften Arbeiter 
des XVI. Jahrh. für Cartocci, Guirlanden, Masken etc. aufgezählt sind. 
Mit dem Werth der Festdecoration als Bauprobe hängt dann auch zu- 
sammen, dass man sie bald mit mehr als gebührlicher Strenge architect0- 
nisirte und ihre Freiheit nicht auf die wahre Weise achtete, vgl. ä. 56 u. 190. 
erstärkung 
d er. 
Formen. 
Zu den neuen Wirkungsmitteln des XVI. Jahrh. gehört die Nische 
an den Fassaden sowohl als an Pfeilern und Mauermassen des Innern, 
und die kräftigere Einfassung von Fenstern und Thüren mit Pilastern, 
Halbsäulen, vertretenden Säulen und Giebeln, letztere im stumpfen 
Winkel oder im Kreissegment. 
Hier ist nicht von der Nische als Wesentlichern Theil eines Grund- 
plans die Rede, also nicht von Apsiden, auch nicht von jenen Nischen- 
oder Capellenreihen, in welche bisweilen die ganze Langwand einer Kirche 
aufgelöst wird (ä. 74, 76), sondern von der Nische für das Auge. Sie 
wechselt fortan gerne an Palastfassaden mit den Fenstern ab, gleichviel 
0b ihr eine Statue gegönnt sei oder nicht. Wie die stärkere Plastik der 
vertretenden Theile, so Wirkt sie zurücktretend; ihr Schatten ist wie der 
aller Rundflächen der schönste. 
An den Kirchenfassaden des XV. Jahrh. standen die Statuen auf 
Consolen vor den sehr flachen Nischen (Certostt von Pavia, ä. 71), oder 
unter Tabernakeln mit Flachnischen (S. Bernardino zu Perugia Fig. 25); 
im XVI. Jahrhnerhalten sie die halbcylindrische, vollständige Nische. 
Im Innern der Kirchen, an geraden wie an (zylindrischen Mauerflächen, 
ergab sich die Anlage von Nischen von selbst, um der Erweiterung des 
Raumes und der MaterialersparniSS willen wie zur Aufnahme von Statuen 
und Altären. Wo die Pfeiler des Schiffes mit zwei Pilastern bekleidet
        

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