Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1296883
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Oberitalien. 
Drittes Buch. 
Die bologner Schule. 
Passeri über ihn in der Vorrede zu CamassePs Iuiilikrll. 
Im Anfange seiner Laufbahn schien er trägen Geistes, weii er 
tief und genau war; und Passeri schreibt seine Fortschritte 
mehr seinem Eifer, als seinem Genius zu. Dadurch dass er 
sich stets tadelte, ward er der genaueste und ausdrucksvollste 
Zeichner, der wahrste und am besten auftragende Cnlorist, der 
nllumfassendste Theoretiker, der vollendete Maler, an Welchem 
Mengs nur etwas mehr Zierlichkeit vermisste. Um sich 
ganz der Kunst zu ergeben, entzog er sich der Gesellschaft, 
oder, suchte er ja zuweilen die Volksmenge auf Märkten, oder' 
in Schauspielen auf, so geschah es, um in den Volksgesichtern 
zu beobachten, wie Natur die Freude, den Zorn, den Schmerz, 
die Furcht und jede andere Stimmung malt, um sie schnell 
nachzumalen. So gelang es ihm, sagt Bellori, „die Seelen 
zu zeichnen, daslLeben zu malen", und in der Brust die Be- 
gungen zu wecken, welche jede seiner Darstellungen federt; 
ungefähr wie ein Tasso oder Ariost mit dem Zauber-Stube 
der Dichtung thun würde. Nach mehrjährigen Studien in Bo- 
logna. besuchte er Parma, und sah die schönen Werke der 
Lombarden; von da ging er nach Rom, wo ihn Annibale 
vollends ausbildete und unter seine Gehülfen aufnahm. 
Seine Malerei ist fast biihnenartig und gewöhnlich bildet 
irgend ein schönes Bauwerk 25) den Schauplatz, welches der 
Composilion etwas Neues und Grossartiges mittheilt, nach Art; 
Poolo's. Da lässt er nun seine aus den Schönsten in der Na- 
tur gewählten handelnden Personen auftreten und kunstreich 
so darstellte, als hätte er sie in seinen Unlgebungen mit angeselm. 
Von diesem Slandpuncte aus sind seine Werke vortrefflich. Der 
Besuch des Kaisers Otto bei dem heiligen Nilus, der Bau einer Kirche, 
wo der Heilige einem seiner Jünger beliehlt, eine fallende Säule zu 
halten, die Vertlieilung der Schlitze der heiligen Ciicilia, selbst der 
Tod des heiligen Andreas sind Volksscenen voller Leben und WVahr- 
heit, und seine Sibyllen Schöne italienische Weiber aus dem Volke. 
Sein Coluiit ist daher so, wie er es in der Natur sah, entweder 
von der Sonne gebräunt, oder von jenem Grau, welches den Ober- 
italienerll eigen ist. Seine Susanne, eine reizende lilodelliigur, ist 
ein Meisterwerk auch im Colurit, weil sein Modell eine schöne Fhrbe 
hatte. Don: enichi n o ist kein ertindungsreicher, aber ein tieffüh- 
lender und heolmchtender Künstler, den die Natur leicht ansprach, und 
muss als solcher hochgeschätzt werden. Q. 
25) Auch hierin war er vorzüglich und Gregor XV. ernannte ihn 
zum Baumeister des apostolischen Palastes. L,
        

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