Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1296773
Die Caracci, ihre Zögl. u. Nnchf. bis auf Cignani. 
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pieri, wo die drei Brüder mit einander wetteiferten, haben 
keine, wahrhaft einen vor den andern kennzeichnende Vcr- 
Schiedenheit. Jemand hat im Allgemeinen bemerkt, Lodo- 
vico habe T i zian mehr als seine Vettern nachgeahmt, 
Agostino mehr an Tintoretto, Annibale an Coreg- 
gio gehangen. Andre meinten, der Erste habe sich in den 
Figuren mehr an das Schlanke, der Dritte an das Viereckige, 
der Zweite an einen Mittelwuchs gehalten. In Bologna hörte 
ich den Aeltern in Grossheit, den Jüngern in Erfindung, den 
Letzten in Anmuth vorziehen. Urtheilc darüber Jeder, wie er 
kann; ich will nun diese Künstler einzeln betrachten ß). 
Lodovico ist in vielen Arbeiten in Bologna wahrhaft 
gross. Jener in seinen Baustücken und Zeichnung der Figu- 
ren so treiiliehe Schafdeich; jener heilige Hieronymus, der 
mit angehaltener Feder so ernst und würdevoll zum Himmel 
aufschaut; jene Vorhölle der heil. Väter, die er, gleichsam um 
sich nochmals daran zu erfreuen, im Dom zu Piacenza wie-i 
(lerholte und unter einer Kreuzigung zu Ferrara andeutetc, 
sind in jener Schule stets als Muster des Erhabenen angesehen 
worden. Prüft man indess die Himmelfahrt U. L. F. bei den 
Theresianern, oder das Paradies bei den Barnabiten, oder den 
heil. Georg, wo die bewundernswerthe schaudernde und flie- 
hende Jungfrau ist, so glaubt man, Annibale selbst habe in 
seine Mädchen und Kinder nicht mehr Liehlichkeit legen kön- 
nen. Eher also als gross kann 'man Lodovico trefflich in 
jedem Charakter nennen; auch scheint er in den beiden nun 
untergegangenen Wandgemälden in der Capelle der. Lamber- 
tini zu S. Domenico diesen Vorzug beherzigt zu haben. Auf 
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15) Wir haben schon unsere Ansicht über den Einfluss der ca- 
ra ccischen Schule ausgesprochen und diesen Künstlern alle mögliche 
Gerechtigkeit wiederfahren lassen. Wa ihre Lehrmethode belriifl", 
welche hier geschildert wurde, so können wir diese nur soweit billi- 
gen, als jede Methode überhaupt zu loben ist, das heisst, in wie 
weit die Belehrung sich nur auf das Erlernbare laeschränkt. Es ist 
zu rühmen, dass die Caracci ihre Schüler auhielten, die Hülfs- 
kenntnise, z. B. Anatomie und Perspective, gründlich zu erlernen, 
und sie Ileisig nach dem Leben zeichnen liessen; allein ihre -Ge7 
schmackslehre und das Empfehlen fremder Musler hat viel gescha- 
det, indem dadurch der Pfantasie Schranken geseßzt und die Einhil- 
dungskruft mit Vorbildern angefüllt wurde, von welchen man gich 
nicht frei machen konnte. Q.
        

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