Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1296757
Die Caracci, ihre Zögl. u. Nachf. bis auf Cignani. 
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gen, wie die Verkürzung. der Köpfe, oder ihr Lächeln, das die 
Parmigianer und Barocci und Vanni so hüuiig anbrech- 
ten. Sie nahmen die Köpfe aus der Natur und verbesserten sie 
nach allgemeinen Schönheitsbegriden. Daher haben Anni- 
balvs Madonnen, deren man so viele auch in Kupfer hat, 
eine gewisse ureigene, aus seinen Uebungstüeken entnommene 
Lieblichkeit; dasselbe kann man von Lodovico sagen, der in. 
seinen edlern Köpfen oft eine Schönheit seiner Zeit, eine Gia- 
eomazzi, wiedergab. Auf das Nackte verstanden sich die 
Caracci sehr und man würde ihnen grosses Unrecht thun, 
Wollte man sagen, sie hätten den Buonarreti nicht hochge- 
schätzt, dessen Nachahmer sie waren, obgleich einer von ih- 
nen mit einiger Bitterkeit gegen die wettkämpfende Schule 
sagte, man müsse seine Knoehengerüste mit Fleisch bekleiden, 
wie ihr Tibaldi gethan hatte. Dergleichen nackte Gestalten 
brachten sie in ihren Bildern sparsamer an, als die ilorenzer, 
aber häufiger; als die übrigen Schulen. In der Gewandnng 
liebten sie nicht .sowol das ämsig Kleinliche, oder den Reich- 
thum des Paolo, als den grossartigen Faltenwurf und Schnitt; 
keine andere Schule malte so weite Mäntel, oder schlug sie 
würdevoller um die Gestalten. 
Dass sie grosse Celßristen gewesen, wiewol sie sich nach 
den Lombarden und Venedigern geübt hatten, leugnete Menge 
und belegen allerdings mehrere verbliebene und fast unterge- 
gangene Oelgemälde Lodovicoas besonders 12). Es lag aber 
an der Gründung, oder am zu vielen Oel, oder daran, dass 
sie die vorgerichtete Leinwand nicht lange genug liegen liessen, 
ehe sie darauf malten. Von den Bildern auf Kalk kann man dies 
nicht sagen. Diese geben eine fast paolische Tapferkeit des 
Pinsels kund; und kein besser eolorirtes Bild, sagt Beilor i, 
brachte die Kunst der Caracci, oder jenes _ganze Zeitalter 
hervor, als ihr Gemälde im Hause Magnani 13). Es ist darin 
12) Der Tadel wegen schlechten Colorits trifft dnch allein Lodo- 
vico, den Oheim der beiden Caracci. Seine Bilder sind oft zu 
schwarz; Annibale colorirte immer sehr kräftig und wurm, Ago- 
stino stets heiler und blühend. Q. 
13) Der berühmte Saal der Caracci im Palast Farnese zu Rom 
ist ein wahres Wunderwerk des Culurils, wenn man ihn, worauf er 
berechnet ist, mit Kerzen erhellt sieht. Bei einenl Ball, den der
        

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