Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1296698
Die Caracci, ihre Zögl. u. Nachf. bis auf Cigxxani. 
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Vaters im Schnciderhandwerk. Obwol! Brüder, waren sie doch 
so verschiedener Artung und Sitte, dass der eine den andern 
nicht leiden konnte, ja beinah sein I7eind war. Agggtino, 
durch Lesen gebildet, sah man immer mit Gelehrten, und e; 
gab keine Wissenschaft, wovon er nicht sprach; er war Philo- 
soph, Geometer, Dichter, gesittet im Betragen, scharfen Witzes, 
fern von der XVeise des Pöbels. Annibale trieb ausscr Lesen 
und Schreiben keine Wissenschaft; eine gewisse angeborene 
Rohheit machte ihn schweigsam, und traf es sich, dass er 
sprechen musste, so neigte er sich zu Verachtung; Hohn, 
Lachen.  
Als sie sich, auf Lodovico's Anrathen, der Malerei er- 
gaben, zeigte sich auch hier ihre Geistesversehiedeuheit. Der 
Erste, schüchtern und grübleriseh, langsam zu einem Entschluss, 
schwer zu befriedigen, sah überall Schwierigkeit, die ihm trotzte 
und die er zu überwältigen versuchte; der Andere, gleich vielen 
Künstlern, ein rascher Arbeiter, der Zaudern und Grübeln nicht 
leiden mochte, suchte auf alle Weise sich mit dem Beschwer- 
lichen der Kunst abzulinden, den leichtesten Weg einzuschlagen 
und viel in kurzer Zeit zu machen. Wären sie in andere 
Hände gerathen, sowäre Agostino ein neuer Samacchini 
geworden, Annibale ein zweiter Passerotti, und die 
Malerei wäre durch sie nicht um einen Schritt weitergekom- 
men. Aber der kluge Vetter, der sie leitete, sah, dass er es 
wie Isokrates machen müsse, der, als er Ephorus und 
Theopompos lehrte, zu sagen pflegte, bei dem Einen müsse 
er den Sporn, beim Andern den Zügel anwenden. Nach ähnli- 
cher Ansicht übergab er denn Agostino dem Fontana, 
einem schnellen und leicht arbeitenden Meister; Annibale 
aber behielt er in seinem Werkzimmer, wo diewArbeiten lang- 
samer reiften. S0 wusste er sie auch auseinanderzuhalten, 
bis die Jahre allmälich ihre Feindschaft tilgten und in Eintracht 
verwandelten, so dass sie, Einer Kunst ergeben, ihre Baßrschaft 
zusammenlegten und Einer des Andern Hülfe nützte. Nach 
wenig Jahren hatte er sie hinlänglich versöhnt, und 1580 be- 
hielt er sie in Parma und Venedig, wovon ich bei jenen 
Schulen bereits bemerkt habe, was ich hier nicht wiederholen 
will. In diesem Abwesen sammelte A gostino noch mehr ge- 
lehrte Kenntnisse „ nahm in der Zeichnungen und, hatte er, 
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