Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1296419
ll. Zeitr. 
Versch. Manieren v. F rancia an bis auf d. Caracci. 
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Der Ruf der beiden oben angeführten Meister verbreitete 
sich damals nicht sonderlich über ihre Geburtsgegend hinaus, 
Weil illn viele Zeitgenossen überboten, die im Gebiete der Ma- 
lerei herrschten, unter welchen Giulio Romano war. Sein 
Ruf zog lrH-aneesco Primaticcio nach Mantua, den In- 
Hocenzio in der Zeichnung und Bagnacavallo im Colo- 
rit unterrichtet hatte. Unter Giulio ward er nachher ein 
Gross- und Riistmaler  und figurenreicher Componist grosser 
Gescliichtsbildcr, grossartiger Holz- und Gypsverzierer, der 
nur in eine Königstadt gehörte. S0 ward er nach sechsjähri- 
gem Studium von Giulio nach Frankreich zum König Franz 
gesendet; und wiewol Rosso der Florenzer bereits cini Jahr 
früher dort angekommen war und ziemlich viel gearbeitet hatte, 
S0 begannen doch, wie Vasari sagt, die ersten Gypsverzie- 
rungen in Frankreich und die einigermassen bedeutenden Wand- 
malereien mit Primaticcio. Auch, dass der König Pri- 
maticcio zum Abt von S. lllartin machte, hat Vasari nicht 
vergessen; wohl aber, dass diese Abtei jährlich achttausend 
Thaler eintrug, wogegen Rosso nur ein Canonicat von tau- 
send hatte. Desshalbrnun, als sei es aus Neid geschehen, 
klagt und schreit lllalvasin über ihn; ob mit Recht Ode? 
Unrecht, mag jeder selbst beurtheilen. Doch wissen wir von 
Vasari, dass dieser Maler theils allein, theils mit seinen 
jungen Gesellen, viele Zimmer und Säle in Fontainebleau 
malte; dass er dem Hofe viele alte Marmor- und treflliche 
Bildwerke verscbalfte, die er nachher in Erz Aabgiessen licss; 
kurz, dass er gleichsam ein neuer Giulio, wenn nicht in 
L 
ihn für einen sogenannten Eklektiker halten könnte, einen jener arm- 
seligen Geister, welche von fremdem erborgten Gute leben. Das ist 
aber nicht: der Fall; den der Umgang; mit Alhertin elli, Fraß 
B a rt o l o m me o und Raffa e l , denen er allerdings viel verdankt, 
entwickelte und reifte in ihm selbst seine eigenthülnlichen edeln Anla- 
gen. Selbst in Fällen, wo er eopirte, wie z. B. die Figur des Erzengels 
nach Raffael, verwandelte sich der von ihm aufgenommene fremde 
Gegenstand durch das eigenthümliehe Geistesgepräge, welches er von 
lnnocenzio erhielt, zu seiner eignen Schöpfung. S0 saugt die 
Biene den Saft der Blumen ein und verwandelt ihn in sich zu Honig. 
Q. 
T) Di ma c clz ina oder macch inosa ist wol mit letzterin Aus- 
druck noch deutlicher, als dem ersten bisher gebrauchten, wiederzu- 
geben und, wenn man will, zu verbessern. X W.
        

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