Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1299700
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Ueber 
Styl 
und 
Manier. 
gedankenlos oder gleichgültig ihnen als höherer Eingebung zu 
folgen, wo Gesetze des Sprachbaues nachweislich und unwür- 
kennbar widersprechen, habe ich freilich noch nicht über, mich 
erhalten können, wenn ich auch den Sprachen! ihre kleinen 
Unebenheiten und Misstände, gleichsam ihre Muttermüler, nicht 
sofort mit Schnitt und Brand wegzutilgen mich beeifere. Dass 
ich aber, bei der immer mehr zu Tage kommenden Einheit 
und Verwandtschaft der Sprachen, bei dem Reiehthum der un- 
sern, in welchem man, wie übersatt und ekel, Manches fallen 
gelassen, das man zu' Bezeichnung wiedergeborener, tiefer erör-i 
terter, in ihrer ursprünglichen Bestimmtheit und Reinheit wie- 
dererkannter und der zeitwierigen Eutstellung entblösster Be- 
griffe und Anschauungen, wohl aufnehmen konnte und sollte, 
manches Vernachlässigte dieser Art unbedenklich wieder auf- 
neh-me, statt bei Fremden zu borgen, manchen Zwitter, man- 
ches misartige Wort einem heimischen rein- und edelbürtigen 
opfere, ja. wo es Uebertragung eines neugewonnenen Begriffs, 
einer neuen Anschauung gilt, ein neues aus einer vorhandenen 
WVurzel nach anerkannten Gesetzen der Sprachbildung folge- 
richtig bilde, ist dies etwa eine tadelswerthe grundlose Unüber- 
legtheit? Wollte man die Macht des Ansehns und die gebiete- 
rische Gewalt der Vorgängigkeit gegen mich anführen, so ist 
nicht einzusehen, warum z. B. Lu the_r's Ansehn für Wehr- 
wort, cntgeilen, Beschaltung, Afterrerle weniger gelten soll, 
als das des unbeholfenen, allzu dienstbaren Hercommanus 
für Apologie, castriren, Appellation, Calunznie; warum das 
dem Begriffe Organismus ganz entsprechende, gleichverhaltig 
gebildete, wohllautigere Wort Gliedcrnis, oder Vergliedernis, 
"und für Organisation, Gliederung, Vergliederung statt des 
schon gangbaren, aber übellautigen Gegliederung Tadel verdient. 
Dass man meine Mässigung und Bescheidenheit hierin verkennt, 
wenn ich auch manches nur beiläuiig empfehle, oder Vorschlage, 
wie Drufel (nicht Drussel) für Gruppe, oder wenn ich durch 
Hinzufügung des gewöhnlicheren, oder durch Stellung des Be- 
griffs, das gewählte oder gebildete eingänglicher zu machen 
suche, kann ich mir schon gefallen lassen, indem ich daraus 
mir so wenig ein Verdienst machen, als andrerseits mich rath- 
loser F olgewidriglreit, oder auch verschrobener Neuerungsucht 
zeihen würde, wenn ich Atomismus, Untheilöarkeits- oder Ur-
        

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