Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1299684
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Ueber 
Styl 
und 
Manier. 
sinnliche Anschauungen zu wiederholen, hat wol überhaupt kein 
anderes Vorbild zu wählen, als die Natur, uml keinen andern 
Maasstab anzuerkennen, als seine individuelle Emplindungsart." 
Wie sich auch der Anzeiger bei dieser Stelle entsetzen 
möge, er wird vielleicht einsehen, dass es auch noch ein an- 
deres Urtheil, als das seine, giebt, und dass er S. 210. f. 
nicht sich so bittersüss, so komischerbosst anzustellen und zu 
gebärden gebraucht hätte. Lanzi's Philippica gegen Baldi- 
nucci's Kunstschulenstammbaum, gegen Vasari werde ich 
eben so wenig schneidend scharf, anmasslich u. s. w. nennen, 
als seine Furcht, Gleichzeitige und Akademiker zu tadcln, lie- 
hensivürdige Bescheidenheit und Milde, oder seine Lobhudelei 
Battfs kunstrichterlieh würdige Unbefangexihcit. 
 Doch ich muss nun noch etwas über meinen Redestyl sa- 
gen, den freilich wol der Ref. nicht zuerst und nicht allein 
als minder gefällig tadelt; denn, wiewol mein geehrter Freund 
und Mitherausgeber den armen L a n zi, S. 212., noch schihjfez- be- 
handelt hat, ihm schlagfertig noch näher zu Leibe rückt, so liegt 
doch meine Grausamkeit in dem Mangel an einem munlern, gereis- 
sermassen gesellschaftlich leichten, gesellschaftlich fi-eien Tone, 
der die Worte dem Hörer nicht granu-eise zuwiegt! Vvenn 
nach Buffon der Styl der Mensch ist und nach Lessing 
jeder ihn so wenig ändern kann, als seine Nase, so muss ich 
freilich keinen andern zu haben ungeheuchelt bedauern. Auch 
will ich ihn fiirwahr Keinem als löblich empfehlen, noch darin 
mich mit irgend Jemanden messen. Nur gegen den Vorwurf 
der Gcsnchtheit darf und muss ich ihn mit dem besten Gewis- 
sen in Schutz nehmen, wenn anders Besonnenheit, Ueberlegung 
und Reflexion nicht gleichbedeutend mit Gesuchtheit und Kün- 
stelei seyn sollen. Auch die empfohlene Gefälligkeit des Styls 
möchte nicht so unbedingt wiinsehenswerth seyn, da sie eben so 
wohl eine höchst subjective Federung des dermaligen Lesehungers 
und der eingerissenen Bildungseuche seyn kann, welchen eine Ge- 
mächlichkeit und Denkscheu wol nüthig seyn mag, um bald mit 
wenigem viel zu gewinnen, als eine objective, welche dies ent- 
hält, dass die Sprache wie ein leichtes, durchsichtiges Gewand 
sich an den Leib des Gedankens anschmiege und das Spiel seiner 
Glieder in Maas und. schöner Begrünzung andeute. Wenn ich
        

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