Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1299668
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Ueber 
Siyl 
und 
Manier. 
selbst in den besten Füllen keinen durchgängig reinen Styl 
besessen.  Es erfolgten bald nach RaffaePs Tode zwei 
Begebenheiten, welche den unmittelbarsten Einfluss auf die Um- 
Wendung des ganzen italienischen Kunstlebens ausübten: der 
Untergang der Republik Florenz, welche in Italien durch zwci 
Jahrhunderte der Mittelpunet alles geistigen Lebens gewesen 
war, und die Reformation, die zwar Italien nicht selbst betraf, 
doch mannichfaltig auf den sittlichen Zustand dieses schönen 
Landes zuriickwirkte.  Es scheint, dass dieselbe Umgebun- 
denheit, der man im Leben und Denken alle Ausgänge abzu- 
schneiden bemüht war, sich in die Kunst hinübergeilüchtet, und 
dort sonderbar genug in den schaalen und lauen Schwärme- 
reien moderner Religiosität einen Ankniipfungspunct gefunden 
habe. Eine süssliche Sentimentalität, in der Carlino D olce 
gleichsam das Höchste geleistet hat, von der jedoch selbst der 
grosse Guido nicht freigehlicben; verbuhlte Reize in Madon- 
nen, Heiligen, Engeln, oder in andern Gegenständen, die sich 
eben so wenig zur Bedeckung eigenen; selbst etwas jesuitische 
Symbolik und Allegorie, traten an die Stelle jenes gesunden 
Lebensgefühls, jener anschaulichen Durchdringung der sittli- 
lichen Wahrheiten des Christenthums, welche bei aller Verschie- 
denheit in den Graden der äussern Ausbildung von Giotto 
bis auf Raffael sich in der Kunst behauptet hatten. Die Ma- 
nieren aber  nach der Etymologie des Worts, Fertigkeiten 
der Hand, doch nach unserm Sprachgebrnuehe Handfertigkeiten 
ohne Geist und Anschauung, oder, wie kürzlich ein philoso- 
phischer Geist definirte, zur Gewohnheit oder zum Grundsatz 
gewordene Abweichungen von der Idee und dem Leben  sind 
nicht sowol der Ursprung der bezeichneten Uebel, sondern viel- 
mehr eine Folge derselben. Leere und Schiefheit des Geistes 
können nur durch Neuheit und Ueberraschung augenblicklich 
verdeckt werden; und daher diese den letzten drei Jahrhunder- 
ten ausschliesslich eigene Verwirrung von vereinzelten Meister- 
schaften, die einander in Frechheit, Willkür und Aberwitz zu 
übertreffen streben  diese Fülle seltsamer Traumgestalten, 
bald farblos, bald bunt und gleissend, bald roh und wild, bald 
geleckt und schmelzcnd, die wir manierirte Bilder nennen und 
doch noch immer nicht in das Feuer zu senden wagen." Von 
den Ca-racci, ihrer Schule und Zeitgenossensehaft sagt er
        

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