Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1299655
Ueber 
Styl 
und 
Manier. 
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treiiliehen Künstlers ein; er schwört ja, dass auch er der er. 
men Menschheit die hoffnungsvolle Aussicht gönne; er lügsc 
sogar mit sich handeln, indem er sie (die neue Zeit für Kunst 
und Wissenschaft) doch 1cenigstens zum kleinsten Theile von 
jenen Seiten her erwarte, lieber aber doch noch von ganz an- 
derer, oder vielmehr von gar keiner, sondern  hört und 
staunet!  vom Jllitteljiuncte. Schade nur, dass er nicht 
bedachte, wie abermals der einige Zeilen früher von mir als 
Quell und Grund der neuen Zeit angezogene Gesamt- und 
Allsinn am Ende doch diesen Mittelpunct, ohne vornehme Ge- 
heimnisthuerei zwar, bestimmter und umfassender bezeichnete 
und der Anzeiger mit seiner Belehrung durch uns selbst wie- 
der zu spüt kam. 
So stimmt der Anzeiger einmal mit uns überein und be- 
lehrt uns mit unsern eignen wiederholten Gedanken, dann 
aber misversteht er aus Mangel an strenger und nachhaltiger 
Denkkraft diese Gedanken und hält sich durch solchen Misver- 
stand für hinlänglich berechtigt, uns der Anmassung, oder der 
verwundenden Schärfe und Spitzigkeit u. s. w. zu bezichtigen, 
wo wir nur das aftermensehenfreundliche Gramanzen und 
Schmunzeln der Unselbständigkeit und Unsicherheit verachtend, 
die Sache schlicht, unbefangen, kurz und bündig aussprachen. 
Aber ist denn dies überhaupt etwa vor uns, sowol in Be- 
zug auf italische Kunst, als aufLanzi, noch nicht geschehen? 
Es würde leicht seyn, den Anzeiger auf gar Viele hinzuweisen, 
mit welchen wir uns nicht im mindesten messen zu wollen 
bescheiden genug sind. Wir erinnern aber nur daran, wie oft 
der trefiliche Rumohr, anderer Kunstkenner zu geschweigen, 
Lanzi leichtsinnig, flüchtig genannt, wie er ihm auch nur 
eine Ahnung von einem in den Alten vorhandenen Ideengange 
abspricht u. s. w. Wie aber derselbe Kenner über die Ten- 
denz aller nachraffaelischen Kunst urtheile, dies stehe hier 
theils zum Schmuck dieser Blätter, theils zu einiger Rechtfer- 
tigung, theils auch zum Entsetzen des Anzeigers, Wenigstens 
auszugsweise. „Man darf," heisst es dort unter andern, „ohne 
einen Unterschied zwischen Unfähigkeit und Talent, Manier 
und gründlicher Meisterschaft anzunehmen, mit Zuversicht bg- 
haupten, dass alle Künstler der letztverflossencn Jahrhunderte 
ihre Ideen schief auffasten, oder gänzlich hintanstellten, und
        

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