Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1299588
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Siyl 
Ueber 
und 
Manier. 
den Styl gleichsam ein Urphänomen nennen, wie unser Dich- 
terfürst dies versteht, worin, als in der Gränze des Schauens, 
zu beruhen ist. Denn wer vermöchte dem Verstande mit Wor- 
ten die Gesamtschau künstlerisch eigenthiimlichen Sinnes, We- 
sens und Waltens wiederzugeben? Nur Anklänge sind hier 
möglich und der Leser muss die Fertigkeit haben, zwischen 
den Zeilen zu lesen, indem alle Prädicate des Schönen noch 
nicht das lebende Schöne selbst sind, das aus Einem und dem- 
selben Quell und Urgrund, der Idee, hervorgehend in Kunst wie 
in Natur anschaulich wird. Darum ist ein Urtheil über Styl 
eines Künstlers, Knnstkreises, oder einer Schule nicht leicht 
und, wie alles Kunsturtheil, fodert es, ausser einer bis zur 
divinatorischen Ahndung und Hellsicht gehenden Tiefe und 
Zartheit des Sinnes, auch genaue und umfassende Kenntnis 
der Richtungen und Strebungen eines Zeitkreises, der in ihm 
sich bewegenden Künstler und Schulen und ihrer gegenseiti- 
gen Verhältnisse. Der ächte Styl zwar Wird immert und ewig. 
derselbe und dann mehr und mehr, wie oben schon angedeu- 
tet wurde, mit der Schönheit und Kunst Eins, darum aber 
gerade um schwersten und kaum anders als in, mit und durch 
sich selbst in seinen Werken erkenn- und aussprechbar seyn. 
Wie jedoch Alles in der Welt durch seinen Gegensatz und Wi- 
derpruch erkannt wird, welche erst Vermittelung federn, so 
werden auch, wenn nun mit dem Gottesdienste der Kunst die 
hohe Begeisterung und der tiefe, heitere Ernst entwichen sind, 
die Abweichungen und Verirrungen des Styls vom Kunstschö- 
nen, als soviele Verneinungen und Beschränkungen desselben, 
den ächten um so mehr hervorheben in seiner grösseren Rein- 
heit und Einigung mit dem Schönen. Jemehr die Momente 
des Schönen verzeddelt werden, der höchste Zweck der Kunst 
vernachlässigt und in willkürliche Absichten vereinzelt, der 
Styl vermanniehfaltigt wird und das um Sache und Gegenstand 
Her- und Beispielende mehr gilt, als die Suche und der Ge- 
genstand selbst, desto mehr verfällt die Kunst und das Schöne, 
welche nun des Gehius harren, der ihren Scheidebrief zerreisse 
und sie aus ihrer abstracten Vereinsamung wieder zusammen- 
führe und füge zu lebendiger Wirklichkeit und frischem Da- 
seyn, wo Gebild und Bildner sich in einander spiegeln und 
anlächeln. Eine solche in einem Kunstwerke anschaulich und
        

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