Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1299570
Ueber 
Styl 
und 
Manier. 
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tretend erscheint, indess er doch bildend und in sich webend 
den Stoff zum Bilde und Ausdruck seines schöpferischen Selb- 
stes macht. S0 hebt ja, um das Gesagte zu erläutern, die 
lllalerei, als Lichtgeist, die räumliche Masse der Bau- und 
Bildhauer-klingt auf und verwandelt sie in Schein, ohne darum 
die Körperlichkeit und deren Darstellung aufzugeben. Ein sol- 
cher geistiger Hergang und seinci Erzeugnisse können zwar 
durch Uebung zur Fertigkeit und Gewohnheit, ja zum ernsten 
Spiele, und in grösster Bestimmtheit augenfillig und gegenwär- 
tig werden; nichts desto weniger aber sind sie gerade der in- 
llen waltende und beseelende Geist, der nicht in einer stereoty- 
pischen Form erstarren, oder mit ihr verwechselt werden darf, 
vielmehr in immer neuen und höhern Bildungen sich zu ent- 
wickeln hat, will er anders sich nicht des Abfalls von ldec 
und Leben zeihen lassen. Denn eben dies Erstarren ist gleich- 
Sam das Absterben des Styls in Eklekticismus und Manier bis 
zur leidigen Handfertigkeit, ja geistloser Handwerksmässigkeit 
und Pfuseherei, was die Italiener "ulla pratica arbeiten nennen. 
Sagten wir oben, dass der Styl mehr oder weniger alle 
Momente der Schönheit haben müsse, sein blaas aber in der 
Gesamtbildung des Volks, des Künstlers, der Schule, der Zeit 
habe und durch sie bedingt sei, so dass er, dies in Kunstwer- 
ken auspriigend, zugleich deren Physiognomie sei, so erhellt 
auch hieraus, dass er immer noch etwas von den Darstellungs- 
mitteln, deren er mehr oder minder mächtig seyn muss, na- 
mentlich in der Malerei von Zeichnung, Farbenbchandlung, Aus- 
druck in Gebärden und Mienen, Gruppirung, Fülle und Ein- 
heit der ldeen, Verschiedenes sei, wiewol er in alle eingeht 
und mit ihnen verschmilzt. ln dieser Vermittelung aber ist 
nun eben auch das Geheimnis, das Wunder der Kunst, wie im Ge- 
nriith, Talent und Genius; und wie fleissig, gewandt und scharf- 
sichtig wir die einzelnen Momente auch des Styls in jenen ge- 
nannten Mitteln zusammenlesen und nachweisen mögen, immer 
werden sie in gewissem Sinne bezüglich auf ihn nur symbo- 
lisch seyn und ein Rest wird bleiben, der in ihnen nicht auf- 
geht, und den sie doch aushauchen, wie Blumen den, Duft. 
Denn, ist das Technische bloss YViederschein des Organischen, 
wie viel höhe wird der Styl stehen, der die im Organischen 
waltende und lebende Seele ist? ln diesem Sinne könnte man
        

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