Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1299560
354 
III 
Ueber 
Styl 
und 
Manier. 
nannten es oben die Macht der Idee über dem Künstler  
oder Erfüllung der Foderungen des derben Kunststoiies; oder 
leichtfassliche, dem Sinne wohlgefällige Vertheilung und Anord- 
nung des derben Stoffes, also fester Körper bei Architekten 
und Bildhauern, Farbe und Helldunkels bei Malern; oder schöne 
Anordnung den allgemeinen, billige Berücksichtigung, ge- 
wandte Beseitigung der Ansprüche des Stolies, in welchem man 
gerade sich ausdrücken will, den öesonclern (malerischen oder 
bildnerischen) Styl. S. Forschungen Th. 3. S. 18. Hiemit aber 
ist, aus übrigens gerechtem Widerwillen gegen das falsche und 
hohle Ideale, oder das Nebeln und Schwebeln in der Kunst, der 
Styl doch mehr als billig auf die blosse Technik und ein Ge- 
gebenes, Ueberliefertes beschränkt, wobei jedoch wieder theils 
Begriff und Maxime derselben allzuweit zurückgestellt, theils die 
der Malerei und der Plastik eigenbehörigen Gesetze, die der 
Optik, oder des I-lelldunkels und der Fernung, und die des 
Raumes, oder der Symmetrie und des Gleichgewichts, zu sehr 
vermengt werden, theils endlich das Subjective und Eigenthüm- 
liehe des Künstlers in seinem Verhültniss zu dem Gegenstands 
und der Idee zu wenig berücksichtigt wird, da doch auch die 
Entwickelung des Styls durch staatsthümliche und individuelle 
Momente bedingt ist, obwol sein Ursprung und seine Wesen- 
heit in den tiefsten heiligen Abgründen der Menschcnseele ver. 
hüllt sind. Wa das Erste anlangt, so sind auch wir weit 
davon entfernt, das Technische, als Erfüllung und Wirklich- 
keit des Geistigen durch Gewältigung des widerstrebenden Stof- 
fes, vom Geistigen trennen und beide auseinander halten zu 
wollen; aber nur auch ihre gegenseitigen Rechte und die Selb- 
ständigkeit in ihrer Bewegung und Entwickelung sollen als be- 
stimmt und unterschieden anerkannt werden. Dass dies aber 
nothwendig sei, beweiset schon die besondere bis zur Einsei- 
tigkeit und Willkür getriebene Ausbildung der Technik auf 
Kosten des Geistigen, wie solche die Geschichte in Zeiten des 
Verfalls, und andrerseits die technische Unbeholfenheit und 
Beschränktheit, wie sie im Beginne der Kunst sich kund giebt. 
Denn auch jene Bedingtwerden durch den Stoff ist nur ein 
Entwickelungsmoment des sich aus seiner Unmittelbarkeit in die 
Erscheinung, in die Bestimmtheit und Wirklichkeit heraussetzeu- 
den Geistes, in welchem Momente er aufgehoben und zurück-
        

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