Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1299557
Ueber 
Styl 
und 
Manier. 
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ein Plato ( im Timäus) nach Maaslehre der zeitlichen und 
räumlichen Dinge den Geist und die Weltseele selbst muss, nur 
dort stand zu erwarten, dass bildende und redende Kunst ei- 
nen Kanon, einen Typus befolgten, dessen tiefsinnige, scharfe 
Messungen aller Formen und ihrer Verhältnisse in der plasti- 
schen Kunst wir bewundern, in der Poesie aber eines Sopho- 
kles, die Blüthen und Früchte zugleich trug, auch nurvzu ahn- 
den schon uns glücklich preisen müssen. Denn so ist, kraft 
des Bewusstseyns der Einheit von Wissenschaft und Kunst, Phi- 
losophie und Poesie, der Bau seiner Dramen ächt mimisch und 
llreigliedrig, durch Protagonisten, Deuteragonisten bis zu dem 
von ihm eingeführten 'l'ritagonisten (als dem in der Poesie 
gegenbildlicben Vertreter des Höchsten, Gleichen, Gestaltlosen, 
der Idee, in der Philosophie als Dialektik, wo Alles aus sei- 
nem sichtbaren Gegentheile, aus! seinem Entgegengesetzten ent. 
steht, wie dies im platonischen Phädon, besonders S. 79.. 
82  84. 96. ff. ausgeführt wird , und noch Diogenes 
Laertios, gleichsam wie nach Ueberlieferung, die griechische 
Tragödie und die griechische Philosophie vergleicht); so sind 
der Steif, oder die Handlung, und seine Träger, die Perso- 
nen, in- sich vergliedert und gegen einander abgewogen, Cha. 
raktere der Handelnden und Empiindungeu ins Gleichgewicht 
gesetzt, dass hier abermals die Identität der Seele und des 
Universum sich als Innerstes und Höchstes und eine nothwen- 
dige, ewige Form desselben erweiset, zu welchen alles hinstrebt, 
und wodurch es vermittelt wird. Ein so festes und gediegenes 
Gepräg verdient nun allerdings vorzugweise den Namen Styl, 
und die Abweichungen davon, oder seine Entstellungen, wie 
sie Aristophanes an Euripides, oder seiner Schule, zum 'I'heiI 
in den Fröschen rügt, sind Manier. Man könnte darum sagen, 
Styl und Manier verhalten sich zu einander wie Sitte und 
Gesetz.  
Eine solche überelnkömmlich ivor- und musterbi-ldliche 
Beobachtung und Befolgung des Wesentlichen, Zweckmässigen 
und Wohlgefälligen durch das gesamte Gebiet der wahren 
Kunst im Auge, und mit seltener Anschaukraft festhaltend, 
nannte der tiefe Kunstforscher und Kenner Rumohr Styl ein 
zur Gewohnheit gediehenes Sichfügen in "die innern Fodenln- 
gen des Stoffs, "worein Bildner und Maler sich fügen - wir 
m. na. Z
        

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