Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1296261
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Oberitalien. 
Drittes Buch. 
Schule. 
Die bologner 
Franciavs Schule gerechnet; warum sich Vasari nicht ge- 
kümmert hat, indem er die Nachwelt bloss mit Amico's Aus- 
sehn und Sitten unterhalten wollte, die ein Gemisch von An- 
genehme, Einfalt und Narrheit waren. Er hatte einen Grund- 
satz in der Malerei angenommen , der auch in dem Schriften- 
thum jenes Jahrhunderts gäng und gebe war: jeder müsse 
in seinen Arbeiten ein Bild seines eigenen Geistes hinterlas- 
sen, und wie Erasmus Cicer0's Nachahmer im Schreiben 
verlachte, so er RaffaePs Nachahmer in der Malerei. Sein 
Hauptgeschäft war, Italien zu durchschweifen, hier und da 
ohne Wahl, was ihm gefiel, abzumalen, und dann ein Ganzes 
auf seine Weise als erzhandfertiger Erfinder daraus zu machen, 
um mit Vasari zu reden. S0 ist in S. Patronin eine Pieta 
von ihm, die in Formen, Bewegungen, Gruppirung der Gestal- 
ten mit den Malern des vierzehnten Jahrhunderts wetteifern kann. 
Doch muss man mit Guercino bemerken, dass Amico 
zweierlei Pinsel führte, einen, womit er wohlfeil, oder aus 
Trutz, oder aus Rache malte - so uralte er in S. Petronio 
und an mehrern andern Orten  und einen andern, wenn er gut 
bezahlt wurde, wo er sich wohl hütete, Laune einiliessen zu las- 
sen; und diesen brauchte er an mehrern von Vasari selbst 
angeführten Palastgiebeln, in S. Martina und vielen von Mal- 
vasia angeführten Arbeiten, der ihn für einen guten Nach, 
ahmer Giorgionfs ausgiebt. 
Sein älterer Bruder war Guido, ein Jüngling von aus- 
serordentlichem, vielleicht übertriebenem Fleisse, der in seinem 
35. Jahre, von Dichtern seiner Vaterstadt vielfältig besungen, 
starb. Malvasia glaubt, wenn er länger gelebt hätte, möchte 
er Bagnacavallcfs Ruhm erlangt haben; soviel versprachen 
eine Kreuzigung von ihm unter der Süulenhalle von S. Pietro, 
und andere Arbeiten. Nach dieses Lebensbeschreibers Meinung 
war es Bosheit von Vasari, dem Guido Ercoleaus Fer- 
rara zum Meister zu geben und Amieo um diese Ehre zu 
bringen. Ich stimme Vasari bei, überzeugt durch Guido's 
Alter, Geschmack und das in dem vorbelobten Bilde angege- 
bene Jahr 1491, das sicherlich dem Schüler eines Schülers von 
Francia nicht zusagt. Aehnliche kunstrichterliche Verstösse 
haben wir auch an Baldinucei bemerkt, und sie sind nicht 
leicht vermeidlich, wo Parteigeist herrscht.
        

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