Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1299495
Rückblick. 
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Franz I. bekriegten, nahmen Päpste und kleine italienische 
Fürsten Partei, wie der augenblickliche Vortheil sich darbot, 
und stiegen und iielen mit der wechselnden Welle des Glücks. 
Italien war der Schauplatz und Preis des Kampfes. Jeder lebte 
nur für und in der Gegenwart, und die Hoffnung eines Ge- 
winnes, nicht irgend eine grosse Idee, beherrschte die Welt. 
Das Streben der Kunst wurde allmählich nun auch realistisch 
und endlich egoistisch, wie der Geist der Zeit. x 
Noch leuchteten zwei grosse Erscheinungen auf. Tizian, 
"in einer glücklichem Zeit geboren, lebte, da er 99 Jahr alt 
wurde, in ein Zeitalter hinüber, das weit unter ihm stand. 
In seinen Werken ist ein Streben nach dem Realen, aber noch 
immer von einem edeln Geiste und einer kräftigen Sinnlich- 
keit durchdrungen, erkennbar; doch gehörte er auch ganz 
wieder dem Realen an, und wurde von diesem angezogen. 
Die Welt in der ganzen Fülle ihres Reichthums an Schön- 
heit und lebensvollem sinnlichen Zauber war sein Eigenthum; 
denn nicht allein die menschliche Gestalt, die gesammte Natur 
umfasste er mit Jugendkraft bis in sein hohes Alter. Er war 
so gross als Landschafter, wie als Maler der menschlichen 
Schönheit, und nur Giorgione, der aber kurze Zeit lebte, 
darf sich ihm in letzte? Beziehung gleichstellen. Der andere 
Künstler, dessen Geistessehwingen ihn über die sinkende Kunst 
cmpcrtrugen, ist Coreggio. Sein I-lauptcharakterzug ist 
eine seclenvolle Sensibilität, wie wir früher schon auseinander- 
gesetzt haben. 
Nur die höchste Meisterschaft in allen Theilen der Kunst 
vermag die Natur zu erobern und sie zum Erbtheil der Kunst 
zu machen.  
Tizian und Coreggio vermochten dies im höchsten 
Grade, nicht aber ihre Nachfolger. Die Zeit eines schönen 
Realismus der Kunst blühte mit Beiden wieder ab und war 
durch Nachahmer nicht wieder herzustellen, 'welchc dieselbe 
Schaale ergriffen, aber nicht aus dem frischen Lebensquell, 
aus welchem jene Beide ewige Jugend tranken, zu schöpfen 
vermochten. 
Bald fing man an die technischen Mittel, durch welche 
grosse Meister das Herrlichste geleistet, für den Zweck selbst 
zu halten; doch inhalt - und seelenlos erstarb die Kunst in
        

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