Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1299483
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Rückblick. 
Seine Entivickelungsgeschichte ist zwar in Dunkel gehüllt 
und durch P u n g i l e o n e's neuestes Werk 7) nur noch 
schwankender geworden, welcher gegen die bekannten Angaben 
über RaffaePs früheste Lebensumstände aus Familiendocu- 
menten Beweise führt. 
Auf äussere, mehr unbedeutende Umstände kommt es aber 
bei einem Geiste, wie Raffael, weniger an, als auf innere 
Kraft und Anlagen, die sich doch entfalten müssen, wenn nur 
nicht die Verhältnisse gradczu feindlich die Naturanlagen in ih- 
ren Wurzeln zerstören. Es keimt die Hyacinthe, wenn der 
Frühling kommt, in dunkler Kammer, und wenn die Reben 
wieder blühen, reget sich der Wein im Fasse, sagt Göth e. 
Wer eine Geschichte RaffaePs geben will, muss sie 
mehr aus seinen Werken, als aus Archiven sammeln; denn 
hier findet man blos Umstände, dort den Lebensgang 8). Da 
aber nichts still steht und jedes Verweilen nur scheinbar ist, 
weil wir die leisen Umgestaltungen der Dinge nicht bemerken, 
wiewir den Zeiger an der Uhr nicht fortrücken sehn, son- 
dern erst gewahr werden, dass er fortgerückt, wenn ein Zeit- 
rauin abgelaufen ist, da Alles in einem bildenden Verbinden 
oder Bildungen vorbereitenden Auflösen imlnerdar fortschreitet, 
so nahm die Kunst auch allmählich eine veränderte Gestalt au. 
Betrachten wir die Weltverhältnisse, so sehen wir auch hier 
sehr veränderte äussere Verhältnisse. Nicht Päpste und Kai- 
er allein stehen einander nahe gegenüber, sondern grosse Rei- 
che befeinden sich und suchen durch Gewalt oder Begünstigung 
die italienischen Staaten auf ihre Seite zu bringen und sie als 
Gewicht in die Wagschale zu legen. 
Die Interessen werden immer egoistischer und vereinzelter. 
lndess sich Maximilian I. und Ludwig XlL, Karl V. und 
7) Elagio storica di Raffaelo Santi. 
8) YVir nehmen Gelegenheit, ein empfehlenswerthes Werk, weiches 
später, als die "ersten Theile unserer Ausgabe des Lnnzi erschienen 
und aisn von uns in der Literatur über Raffael nicht angeführt 
werden konnte, hier nachzutragen: Quatrcnzäre Sloria dem; 95m 
g (ielle opere (I1? Rnfuelln p. Lunghena. Unter des Ilebersetzers 
und Bearbeilers Händen ist das Werk von Quatre min-e ein äug. 
gers: brauchbares und nützliches Buch gewnrden, und Longhena 
hat durch so ileissige und gründliche Forschungen uns viel Aufchluss 
über mehrere Rgffaelische XVerke gegeben. Hinsichtlich der Ent- 
wickeiungsgesch hte der Kiinstepochen in RaffaePs Leben I. Ita- 
lienische Forschungen von Rumolzr. lll. Th. 1831.
        

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