Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1299474
Rückblick. 
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Ausbildung erheischt, was hochbegabte. Männer in verschiedener 
Richtung zu erfüllen strebten. 
 In der Kunst traten zwei Männer hervor, in welchen wie- 
der eine geistige Polerität sich darstellt  wie man denn immer 
in der Geschichte die sich federnden! Gegensätze, entweder 
gleichzeitig, oder bald auf einander folgend antreffen wird, je 
nachdem sie als Dnalismu zusammenwirken und ein gemein- 
schaftliches Drittes erzeugen, oder als Ursache und Wirkung 
Eins das Andere hervorruft. 
Mögen nun auch die verschiedenen Verrichtungen an ver- 
schiedene mächtige Individuen vertheilt seyn, so gehören sie 
doch der gesammten Menschheit an und es stellt sich durch 
sie in einem Zeitalter der Dualismus geistiger 'l'hätigkeit dar. 
So sind denn Leonardo da Vinci und Michel An- 
gelo als entgegengesetzte Pole eines gesamten Lebens und 
gemeinschaftlichen Ganzen zu betrachten. 
In Leonardo erkennen wiruvorzugsweise die intensive 
Thätigkeit einer grossenJSeele, die eine Welt in sich aufnimmt 
und zu Riesenwerken verarbeitet. Wir haben ihn schon im 
zweiten Theile dieses Buchs charakterisirt und beklagen müs- 
gen, dass seine Unternehmungen, nicht für seine Kräfte, son- 
dem für die weltlichen Mittel der Fürsten und Staaten oft zu 
gross und darum unausführbar waren. 
Die expansive, von innen nach aussen strebende Kraft; 
stellt sich uns in Michel Angeln dar. Einen Gedanken 
nach aussen hin in gigantischer Grösse und Kraft auszubilden, 
war die gewaltige Aufgabe seiner Natur. 
Als Synthcsis dieser Antithesen steht Raffael in jener 
Zeit. In ihm ist die reinste Harmonie aller 'l'hätigkeit, gleich- 
Sam ein Einsaugen der Aussenwelt und Ausströmen von Gefüh- 
len und Gedanken in gleichem Maasse und mit gleicher Kraft. 
Bei ihm ist Gefühl und Idee in vollkommenstem Gleichgewicht; 
in seinen Werken ist Gedanke und Erscheinung ganz Eins. 
Eine völlige Vereinung aller Richtungen kommt durch und in 
ihm zu Stande. In früherer Zeit, wo man noch den Peru. 
ginischen Einfluss gewahr wird, folgt er dessen subjectiver 
Richtung, bis er in voller Zeugungskraft im Jünglingsalter 
vor uns da teht. 
        

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