Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1299463
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Rückblick. 
bergab und man der blassen Nachahmung 
als eines Auskunftsmittels bedurfte. 
des 
Wirklichen nicht 
Ghirlandajo war der schnell vorübereilende Vorläufer 
einer weit spätem realistischen Periode, indess immerfort die 
Kunst die subjective Richtung verfolgte und ausbildete. 
Hierin erreichte sie eine weit grössere Vollkommenheit, 
als jene objective Kunstrichtung; nicht, als wenn die bildende 
Kunst mehr geeignet wäre, Gefühle, als Begriffe darzustellen, 
sondern darum, weil die Künstler eine grössere Geschicklich- 
keit in allen Theilen der Ausübung der Malerei erlangt hatten 
und also frei und ungehindert darzustellen vermochten, was ih- 
nen in den Sinn kam, indess Giotto und seine Nachfolger 
die grössten technischen Schwierigkeiten erst überwinden muss- 
ten, um Begriffe und Charakter zu Veranschaulichgn,' Diese; 
grossen technischen Vollkommenheit wegen erscheinen die ge- 
fühlvollen Bilder des Pietro Pßrllglllü und Franccsco 
Francia viel tiefer, wenn auch die ältesten Meister gewigg 
inniger und lebensvoller sind. 
Wie aber die Kunst sich immer mehr vervollkommnet 
hatte, so war ihr zur Seite die Wissenschaft in allen Zweigen 
emporgewachsen. Denn was ist Wissenschaft anders, als ein 
Erkennen aus Gründen? Die Kunst aber, der Wurzel nach das- 
selbe, ist ein aus innerer und äusserer Wahrnehmung hervor- 
gegangenes, durch intellectuelle Kraft erzeugtes Darstellen. 
Wissenschaft und Kunst unterscheiden sich also, wie wie.- 
sen und schauen, wie kennen und können, wie denn auch Ei- 
nige das Wort Kunst von können wirklich ableiten wollen und 
Schelyling sinnvoll die Kunst die werkthätige Wissenschaft 
nennt. 
Da nun beide Eins und nur der Richtung nach verschieden 
sind, indem die Wissenschaft auf den Grund der Dinge refle- 
ctirt, die Kunst aber die ldee im Daseyn spiegelt, verkörpert pro- 
ducirt, so treten sie in ein sich gegenseitig anregendes Ver- 
hältnis, wenn sie zu gleicher Zeit, mit gleicher Kraft empor- 
Streben. Die Anforderungen an die Kunst wurden hierdurch 
gesteigert, und wie man von der Wissenschaft Tiefe und 
Gründlichkeit verlangte, so wurde von den Darstellungen der 
lümßt ein höherer Grad geistiger und sinnlicher Durch- und
        

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