Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1299427
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Rückblick. 
durch in die Länge gedehnte, und die der abendländischen Künst- 
ler durch gedrungene Verhältnisse 6): so stimmen sie doch in 
dervCharakterisirung der Gegensitände iibexjein. Man könnte 
sagen: sie wären im Styl übereinstimmend und in den Manie- 
ren verschieden.  
Wir müssen uns hier über beide Ausdrücke verständigen, 
welche oft unachtsam gebraucht werden. 
Maniera (itaL) kommt von manus her, und bezeichnet 
also gewiss das Handwerksmiissige in der Kunstausiibung. 
Weniger Aufschluss über die Bedeutung des Worts giebt 
die Etymologie von Stylus, woraus Styl entstanden ist. 
Der Griffel ist aber das Mittel, wodurch der Gedanke 
aufgeschrieben, oder aufgezeichnet, gleichsam festgehalten wird, 
und durch Zusammenschmelzung der Begriffe: Darstellungsmit- 
gel und Darstellung selbst, in dem bildlichen Worte Styl, 
entsteht nun die Bedeutung, dass man darunter die Feststel- 
lung eines künstlerischen Gedankens versteht. Wodurch wird 
aber ein Gedanke festgestellt? Gewiss durch nichts Anderes, 
als durch die Zusammenfassung seiner charakteristischen Merk- 
male; und so versteht man unter Styl den Begriff, die künst- 
lerische Auffassung.  
Der Griffel (Stylus) steht als Attribut, als Bild, für den 
Begriff, für die Auffassung.  
Auf dem Gipfel der Kunst verschwindet alle Manier, die 
Hand folgt ganz dem Geiste, hat keine Angewohnheit für sich, 
sondern stellt ganz freiwillig den Gedanken dar; allein der 
Styl wird immer bestimmter, charakteristischer; denn die tech- 
nischen Schwierigkeiten sind dann überwunden und nichts hin- 
dert die freie Auffassung und Darstellung der künstlerischen 
Aufgabe. 
Man nennt dann auch den Styl eines Künstlers um so 
reiner, je weniger sich sein subjeetiver Zustand in den Be- 
G) Ueber den Unterschied griechischer und italischer Kunstwerke 
siehe die gehaltvollen Bemerkungen in Baron Rumohr's Italieni- 
schen Fnrschungen Ir Theil, besonders S, 279., sodann S. 282. VII. 
Aufschwung des Geistes der ital. Kunst, racher Fortschritt in V01" 
theilen der Darstellung.  Einlluss der Byzantiner auf die Entwickß" 
lung der italienischen Malerei.
        

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