Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1299415
Rückblick. 
339 
lig Verehrte anzudcuten, sondern auch Christus und seine Jün- 
ger vorzustellen. Allein sie ist noch zu unvermögend, einen 
Begriff bis zur Anschaulichkeit auszubilden, und die Gestalten, 
wvie in dauerhafter Musivarbeit sich viele Bilder bis jetzt erhalten 
haben, sind mehr noch Hieroglyphen, als eigentliche Darstellungen. 
Attribute und Parabeln, welche aus heiligen Schriften be- 
kannt waren, z. B. die vom guten Hirten, mussten dazu die- 
nen, was dargestellt werden sollte, kenntlich zu machen. Ja, 
die Kunst war so weit gesunken, dass bis zur Hervorbringung 
einer Achnlichkeit, also eines Portraits, die Hand den Dienst 
versagte, und man zufrieden war, Gesichter durch Linien an- 
Zudeuten, welche für menschliche Ziige erkannt wurden. 
Gerade diese Unbeholfenheit musste im Anfange der wieder- 
erwachenden Kunst eine starke Bezeichnung von Charakteren 
veranlassen, und die zwar rohen Grundzüge vdn Apostel- und 
Christusbildern bestimmen, welche so typisch wurden, dass man 
von einem wahren Christusbildnis zu fabeln anfing. Da nun 
die Ausübung der bildenden Kunst nie ganz unterbrochen wer; 
den ist und die Charaktere der Christus - und Apostelbildel" 
durch zwar rohe und scharf bezeichnende Darstellungsversuche 
festgestellt waren, so pflanzten sich diese Typen fort und kön- 
nen noch in den Grundzügen der Ideale der spätem Zeiten 
und den ausgebildetsten Kunstwerken wiedererkannt werden 5). 
In der Stille bildete sich die Kunst in Klöstern allmälich 
Weiter aus, hauptsächlich durch die Ausschmückung von Ge- 
betbüchern und Handschriften, was den Mönchen am nächß 
sten lag. So kam es, dass die Miniaturmaler allen andern 
weit vorauseilten, indess die Kunstgebilde im Grossen die be-ß 
kannten typischen Formen immer mit weniger Verschiedenheit 
wiederholten, indem man dadurch um so gewisser war, dass 
das Bekannte desto leichter yerstanden wurde. Die Kunst war 
in bekannten Typen gleichsam erstarrt. Die Vorstellungen der 
Gnostiker hatten keinen entscheidenden Einiluss auf die Typen 
der bildenden Künstler, wenigstens keinen verbreiteten.- 
Wenn auch von frühesten Zeiten an griechische und latei- 
nische Künstler neben einander lebten, und ihre Vorstellungs- 
Weise unterschieden werden kann, und zwar die der Grieche!) 
L 
S. R um ohr ' s Italienische Forschungen. 
11' Thl. 
Y 2
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.