Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1299400
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Rückblick. 
Die christliche Religion, welche im Glauben, Lieben, Hof- 
fen und Leiden lebt, entzieht sich der Bildlichkeit und stellt 
sich in frommen Handlungen dar, und endlich wagt die Kunst 
nur mystische, und hieroglypbische Andeutungen 3). 
Wenn das Gefühlsleben mit dem Begriff in Gegensatz tritt, 
so muss gegen die bildliche Anschauung von Ideen ein Wider- 
wille eintreten, der bis zur zerstörenden Feindschaft steigt, 
und dies ist der Moment des fast gänzlichen Erlöschens aller 
darstellenden Kunst 4). 
Theodoricb, König der Gothen, ein grosser kräftiger Cha- 
rakter, unterwirft sich Italien, weckt die schlummernden Kräfte 
zu Thaten und grossen Bauwerken, und was von Künstlern 
zerstreut und unbeschüftigt lebt, wird angeregt. 
Mit Staunen betrachtet man sein mächtiges Grabmal in 
Ravenna, die Reste seiner Burg auf dem Felsengestade zu 
Terracina, und von seinem Riesenbilde erzählt noch die Sage, 
wie von einem Wunder der Welt. 
Auch diese aufstrebende Herrlichkeit wird von den {instern 
Longobarden verlöscht, und die schwachen Spuren der Kunst 
aus jener Zeit sind Denkmale der Rohheit.  
Karl der Grosse und Hadrian theilen die Herrschaft der 
abendländischen Welt und doch sich gegenseitig in Würde und 
Ehren haltend. Die Reste gothischcr Herrlichkeit müssen, da. 
es an Künstlern fehlt, Karls Paläste und Kirchen schmücken und 
Karl sammelt die wenigen Künstler um sich. " 
 Die Kunst wird unternebmender und wagt, von Kaisern 
und Päpsten geschützt, nicht blos in Sinnbildern das als hei- 
3) Gewiss war es nicht blos der vViderwille gegen Götzendienerei, 
welcher die Christen ahhielt Christus und die Apostel bildlich darzu- 
stellen, sondern eine heilige Scheu, das Heiligste herabzuziehen. Sie 
begnüglen sich mit Zeichen und Sinnbildern. Sieh! liefen Auslegun- 
gen in Dr. Friedr. Münterüs Sinnbildern derKunslvorstellungeß 
der alten Christen.  
4) Man nehme das Wort: darstellend in genauerer Bedeutung; 
denn Sinnbilder und gar Hieroglyphen sind keine Darstellungen; E! 
sind blos Zeichen, und so blieb denn immer ein Rest von bildender 
Kunst. Uebrigens haben die bilderstürmenden Kaiser gewiss nicht 
aus christlicher Frömmigkeit den Bildern den Krieg gemacht, sonder" 
den-Parteien, welche die Bilder heilig hielten. S. F. Chrtpih 
Schlossefs Geschichte der lrilderslvirnlcnden Kaiser des ostrii" 
mischen Reichs, um einer Uebersiclzt der Geschichte der früher" 
Regenten desselben.
        

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