Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1296244
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Oberltalien. 
Drittes Buch. 
Die bologner Schule. 
indem er unter Gio. Bentivoglioä Bild schrieb: L. Custa 
Franciae discipulus. Diese Unterschrift könnte, wie manche 
andere, wol auch von fremder Hand seyn, oder, wenn sie von 
ihm herrührt, konnte er sie wol mehr aus Achtung vor dem 
grossen Manne beifügen, als um ihn der Nachwelt als seinen 
einzigen Meister darzustellen, wie Malvasia annimmt. Va- 
sari aber meldet das Gegentheil. Er führt ihn in Bologna als 
einen schon geförderten und in mehrern ansehnlichen Städten 
gebrauchten Maler auf; ja, seinem ersten Werke, welches er 
von ihm aufzählt, dem heil. Sebastian in der Kirche des heil. 
Petronius, ertheilt er das grosse Lob, dass es als leimfarbenes 
Bild bis dahin das beste Bild in der Stadt gewesen.  Demnach 
schliesse ich, dass Francia sein erstes Gemälde in der Ca- 
pelle Bentivogli 1490, wenig Jahre nachdem er sich der Ma- 
lerei ergeben, ausgestellt, und Costa dort die beiden sehr gut 
componirten und mit seinen beliebtesten Bilduissen ausgestatte- 
ten Seitenbilder im Jahre 1488 aufstellte. Hätte er nun 
F ran cia allein zum Meister gehabt, welche rasche Fort- 
schritte müsste man ihm beimessen? Und würde sein Styl 
nicht immer dem des Francia ähneln, wenigstens in den zu 
Bologna gearbeiteten Bildern? Da findet nun aber ganz das 
Gegentheil Statt; vielmehr sieht man aus seinen minder schlan- 
ken, zuweilen plumpen Gestalten, aus den gemeinen Gesich- 
tern, aus der dunkeln und nicht gar weichen Färbung, aus 
dem Prachtcn mit Bauwerken, und den fernsichtigen Hinter- 
gründen, dass er anderwärts gelernt hatte. Ich meine mithin, 
er habe die erste Unterweisung in seiner Vaterstadt genossen, 
sei dann nach Toscana gegangen und habe dort, nicht durch 
mündliche Lehre, sondern, wie Vasari sagt, an Lippi's und 
Gozzoli's Gemälden sich gebildet, endlich in Bologna bei 
den Bentivogli gemalt und sei auch mit Francia mehr als 
Gehülfe, denn als Schüler zusammengewesen. Einen fernern 
Beweis führe ich noch aus Malvasia selbst, nämlich dass er 
in F rancescws Ausgabebuche unter 220 Schülern nie Co- 
sta's Namen fand. Uebrigens gebe ich gern zu, dass er auch 
Francia's Bilder benützt hat, nach welchen in Bolognaäs 
Bildersammlungen viele nachgeahmte Madonnen vorkommen, die 
meistens den Bildern des angeblichen Meisters nachstehen, zu- 
weilen jedoch auch wol mit ihnen verglichen zu werden ver-
        

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