Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1299186
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Oberit. 
VI. Buch. 
Die Malerei in Piemont u. d. Umgeb. 
was jeder gute Meister vermeiden muss. In Casale hörte ich 
unter seinen guten Schülern einen Giorgio Alberino nen- 
nen; und auf della Valle's Wort füge ich noch Sacchi 
hinzu, ebenfalls aus Casale, der ihm in Moncalvo half und 
wol einen kraftvollem und gewandtern Pinsel führte, als Cac- 
cia. In S. Francesco malte er eine Mitgiftsziehung, wo sich 
viele Hausväter, Hausmütter und Jungfrauen versammeln; da 
drückt er die Gemüthsbewcgungen so lebendig aus, dass man 
jeder ansieht, ob ihr Name schon heraus ist, oder ob sie ihn 
noch nicht vernommen und nun trauert, oder fürchtet, oder 
ihn zu hören ich schmeichelt. Zu S. Agostino in Casale ist 
ein Banner mit U. L. F", einigen Heiligen und etlichen Bild- 
nissen gonzagischer Fürsten, welches man auch dem Mon- 
calvo zuschreibt; urlheilt man aber nach dem Geschmack der 
Tinten besonders, so muss man" es wol eher dem Sacchi zu- 
schreiben. 
Caccia bildete und brauchte als Gehiillinnen bei seinen 
Arbeiten auch zwei Töchter, welche die Gentilesche oder Fon- 
tane von Montferrat sind, wo sie stets nicht bloss Cabinet- 
stücke, sondern auch Altarbilder in grösserer Anzahl, als ir- 
gend eine Malerin, lieferten. Das Aeussere der Körper malen 
sie dem Vater pünctlich nach, aber die Seele können sie ihnen 
nicht einilössen. Man erzählt, dass, da sie eine so überein- 
stimmende Manier hatten, um aller Verwechselung vorzubeugen, 
Francesca, die jüngere, ein Vöglein, und Ursula, welche 
das Conservatorium der Ursulincrinnen in Moncalvo stiftete, 
eine Blume zum Sinnbild genommen habe. Von Letzter hat 
ihre Kirche und Casalc noch Altarbilder, auch nicht wenig Ca- 
hiuetstiicke mit kleinen Landschaften in Bril's Weise, und 
mit Blumen besäet. Eine heil. Familie von ihr in diesem Ge- 
schmack ist in der reichen Sammlung des Palastes Natta. 
Zum Schluss will ich Niccolö Musso erwähnen, die 
Zierde von Casalmonferrato, wo er lebte und Bilder eigen- 
thümlichcn Styls hinterliess. Orlandi nennt ihn Schüler des 
Caravaggio in Rom zehn Jahre lang; und in seiner Hei- 
Ämat geht das Gerücht, er habe sich in Bologna unter den 
Caracci gebildet. Musso hat etwas von Caravaggio, 
aber ein zärteres und klareres Helldunkel; Formen und Aus- 
druck sind bei ihm höchst gewählt. Ein wackerer Künstler, der
        

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