Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1299130
Anfang u. Fortschritte d. 
Kunst bis zum 16. Jahrh. 
311 
dem. Die eine ist in Alessandria und dient als Altarbild in 
einer Hauscapelle der Minoriten. Sie stellt U. L. F. vor, de- 
ren Schutze der heil. Augustin und Franciscus Alessandria em- 
pfehlen, welches darunter inmitten einer Landschaft gemalt ist. 
Die Landschaft ist in Bril' s Style, der unsern Malern vor der 
Zeit der Caracci gewöhnlich war; die Figuren sind ileissiger, 
als geistreich, die Farbe ist matt, das Ganze im Geschmack 
eines Künstlers, der die gute römische Schule nachahmen möchte, 
über entweder nicht genug sah, oder wusste. Sicherer ist das 
Bild der Dominieanerkirche in Casale mit der Aufschrift: 
Opus Georgii Soleri Alex. 1573. Zu Füssen der Jungfrau 
mit dem göttlichen Kinde kniet der heil. Laurentius, und neben 
ihm ergetzen sich drei anmuthige Engelchen kindisch mit ei- 
nem grossen Roste, dem gewohnten Sinnbilde dieses heil. Le- 
viten, und mühen sich sehr ihn vom Boden zu heben. Hier 
zeigt sich Raf f ael's Anhänger am besten in der Reinheit 'der 
Zeichnung, der Schönheit und Anmuth der Gesichter, dem Stre- 
hcn nach Ausdruck, wenn man das Urbild dieser Engel nicht 
etwa in Coreggio's Mustern vorfinden will. Das Gemälde 
lieblicher zu machen, ist eine Aussicht mit einem Fenster bei- 
gefügt, aus welchem man "in der Ferne eine schöne Landschaft 
mit schönem Bauwerk sieht; jetzt hat die Stadt nicht viel so 
merkwürdige Gemälde, als dieses. Hätte es etwas kräftigere 
Tinten und Helldunkel, so liesse es nichts zu wünschen übrig. 
Aus dem Style könnte ich die Schule nicht errathen; denn 
Lanini's Schule ist es nicht, wiewol dieser sein Schwieger- 
vater war; noch auchidie eines Mailänders, ob er gleich in 
Mailand war. Vielleicht bildete er sich, wie einige seiner Zeit, 
nach Stichen RaffaePs, oder, wenn er einen andern Maler 
berücksichtigte, so war es Bernardino Campi, welchem 
er, bis auf eine gewisse Zagheit, näher kommt, als einem 
Andern. 
Dieser Soleri hatte einen sehr schwachen Maler zum 
Sohne, wie die Sacristei der Franciscaner in Alessandria be-. 
weiset. Zu guter Vorbedeutung für die Kunst, wozu er ihn 
bestimmte, gab ihm der Vater die verehrtesten Namen Raf- 
f a e l A n g i o l o; aber diese Namen schmeicheltcn nur der 
väterlichen Eitelkeit, welche immer Wunder ron ihren Kin- 
dern hofft.
        

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