Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1298892
III. 
Baldige 
Erhelnmg 
der 
Malerei. 
287 
Arbeiten fehlte, da er in Genua Alterbilder und darunter jene 
schöne Krippe in S. Luea, eines der berühmtesten Gemälde 
der Stadt, gemalt hatte, sondern weil der grosse Ruf, den er 
in Europa hat, ihm durch seine Cabinetbilder wurde, wo er 
Thiere entweder allein, oder in geschichtlichen Aufgaben wun- 
dersam darstellte. In dieser Gattung ist er nach Bassano in 
Italien der erste; zwischen Beiden ist der Unterschied, wie 
zwischen den beiden grossen ldyllendiehtern, Theokrit und 
Virgil, deren erster wahrer und einfacher, der zweite ge. 
lehrter luml sehmuckreicher ist. C astiglione, Schüler der 
gebildeten Paggi und Vandyck, adelt gewissermassen die 
Wiesen und Wälder mit fruchtbaren und neuen Erlindungen, 
gelehrten Anspielungen, angemessen und bedeutsam ausgedrück- 
ten Stimmungen des Geniiiths. Seine Zeichnung neigt sich zum 
schlanken; die Farbe ist leicht, anmuthig, meistens voll, in 
manchen Arbeiten aber wenigstens vermisst Maratta die Fülle. 
Der Hauptton ist heiter, oft röthlich. In Gallerien sieht man 
von ihm grosse Thierstüeke mit etlichen Figuren, wie bei dem 
ehemaligen Doge Agostin Lomeliino; andremale heilige Ge- 
schichten, unter welchen sehr oft die aus der Genesis, die 
Schöpfung der Thiere, ihr Einzug in die Arche, und Jakobs 
Rückkehr mit einer grossen Menge Diener und Viehs wieder- 
holt werden, welche im Palast Brignole Sale staunenswerth 
ausgeführt ist. Andremale sind es wieder Fabeln, wie die Ver- 
wandlungen der Ciree beim Grossherzog von Toseana; zu- 
weilen Jagden, wie die Stierjagd in der riccardischen Samm- 
lung zu Florenz; oft Messen und Thierherden in niederländi- 
scher Art, immer fieissiger rund heiterer, wenn er in kleinern 
Verhältnissen malt. So ein Tobias, der sein Augenlicht wie- 
der bekommt; ein zierliehes Bildchen, das ich ehmals bei den 
Herrn Gregorj in Foligno sah. Ein dickes Buch, sagt So- 
prani, würde nicht hinreiehen, von seinen in Genua geblie- 
benen Bildern bestimmte Kunde zu geben. Aber es griebt ihrer 
e 
Bleichen Gegenstände nicht mit niederländischem Fleisse ausgeführt 
und aus treuer Beobachtung des Wirklichen hervorgegangen sind, m 
erfreuen sie weder den Sinn durch malerische Behandlung, noch den 
Geist durch den Gegenstand. lndess scheint mir Cvatiglio-ue vor- 
züglicher, als Bassano; denn seine Compositinxxen sind geschmack- 
voller und mannichlaltiger, der Charakter der Thiere wahrer und le- 
bendiger, das Colorit heiterer. Q.
        

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