Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1298823
QSO 
Oberitalien. 
F ühfles Buch. 
Die genueser Schule. 
bare Schwester zu unterstützen, nachdem erstere gestorben und 
letztere verheirathet war, nicht wieder zu den Kapuzinern zu- 
rückkehren wollte, nachmals aber dazu gezwungen und mit 
dreijährigem Gefiingniss bestraft, dennoch entsprang und nach 
Venedig floh, wo er in Weltpriestertracht bis an seinen Tod 
blieb, Grosse Wandgemälde von ihm kann man ausser Ge- 
nua nicht kennen lernen, wo er in mehrern Patricierhüusern 
malte und in S. Domenico das grosse Paradies darstellte, welches 
von allen, die ich gesehen, das bestgedaehte ist. In Novi 
"und Voltri sind auch mehrere Altarbilder; vor allen bewun- 
dert man in einem Saale des königlichen Palastes zu Genua 
eine Madonna. Auch in Venedig hat man Bilder von ihm; 
dort wurde Strozzi, ein Rundbild aus der besten Zeit der 
venediger Schule in der lllarcusbibliothek zu ergänzen, allen 
vorgezogen und stellte die Bildhauerei dar.  
Jedoch arbeitete er wenig für die Stadt. Wer Wunder 
von ihm sehen will, beschane seine Bilder in wohl bewahrten 
Sammlungen, wie den heil. Thomas, der das Wundmal sucht, 
im Palaste Brignole. ln einem Zimmer trelilicher Coloristen 
aufgestellt, schlägt er alle mit dem wahrhaft meisterlichen, vol- 
len, kräftigen, natürlichen und höchst harmonischen Pinsel. 
Seine Zeichnung ist nicht sonderlich genau, noch hinlänglich 
gewählt; man sieht darin einen Naturalisten, der weder S0 rr i, 
noch einem andern Kundigen folgt, sondern wie jener Alte bei 
der Menge in die Lehre geht. Iln männlichen Köpfen ist er 
ganz Kraft und Kraftfiille, in heiligen ganz Andacht. In 
weiblichen und Jiinglingsgesichtern hat er weniger Löbliehes; 
ich habe Madonnen "und Engel von gemeinen und oft wieder- 
holten Formen von ihm gesehen. An Bildnismalen gewöhnt, 
schöpfte er auch in seinenlDiehtnngen alles aus der Wirklich- 
keit, und oft malte er, wie Caravaggio, nur halbe Figu- 
ren. So hat die llorenzer Gallerie einen sogenannten Cristo 
della moneta mit sehr lebhaften halben Figuren. Er wird für 
den lebendigsten Pinsel seiner Schule gehalten, und an kräf- 
tigem Auftrag, Saftfülle und Kräftigkeit der Tinten hat er in 
den übrigen wenig Naeheiferer, oder ist vielmehr in diesem Ge- 
schmack des Farbenvortrags ureigenthümlich und beispiellos. 
Seine Gebeine ruhen in S. Fosca zu Venedig mit der Lobinl- 
schrift: Bernurdus Strozzius piclorum splendor, Ligurizte
        

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