Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1298801
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Oberitalien. 
Fünftes Buch. 
Die genueser Schule. 
kleinern SchiEe stellte der Zweite dar S. Paul, der der Menge 
predigt; S. Jakob, der Neubekehrte tauft; Simon und Judas 
in Persiens Hauptstadt; und in dem Schiff gegenüber drei Be- 
gebenheiten aus dem A. T.: Moses, der Wasser aus dem Fel- 
sen schlägt; die Israeliten, die über den Jordan gehen; Joseph, 
der von hohem Throne seinen Brüdern Gehör giebt. All' diese 
Gegenstände scheinen gewählt, und können allerdings eine bil- 
derreiche, und soviel Bilder mit fast unzählbaren Figuren in 
so weitem Raume zu bereichern bereitwillige Phantasie in Schwung 
setzen. Nicht leicht wird man aber auch ein Werk von solchem 
Umfange mit soviel Liebe und Fleiss ausgeführt, so gedan- 
kenreiehe und neue Zusammenstellung, so mannichfaltige und 
beseelte Köpfe, so entschieden umrissene und von ihrem Grunde 
sich ablösende Gestalten, so liebliche, leuchtende, nach so viel 
Jahren noch so frische Farben finden. Da ist ein  vielleicht 
etwas zu häufiges  Roth, wie Purpur, ein Blau wie Sapphir, 
ein Grün besonders, das den Künstlern ein Wunder dünkt und 
dem Smaragd gleicht. Der leuchtende Glanz dieser Farben er- 
inncrt bald an Glas-, bald an Schmelzmalerei, und ich habe 
an andern italischen Malern eine so neue, reizende und schmeich- 
lerische Kunst des Colorits nicht gesehen. Manchen zwar, wel- 
che diese Tinten mit denen des Raffael, Coreggio, An- 
drea del Sarto verglichen, dünkten sie an das Harte zu 
gränzen; wer kann aber auch in Sachen des Geschmacks, wo 
es so viele Wege zu gefallen, so viele Abstufungen des Künst- 
lcrverdienstes giebt, Alle befriedigen? Die Aehnlichkeit des 
Styls vermag minder Einsichtige, es ganz für Eines Meisters 
Werk zu halten; doch erkennen feinere Beurtheiler Gio. Ba. 
tist.a an einem ansgesuchtern Geschmack der Tinten und des 
Helldunkels, und an grossartigerer Zeichnung. Man hat sich 
auch bemüht, sein Verfahren bei den Tinten näher zu erfor- 
schen, und gefunden, „das er sie auf trockenen Grund auf- 
trug, wenn er Wände und Zimmer-decken malte, nachdem er 
darunter einen Tintenüberzug gelegt hatte, der sie vor Kalk 
schützte. Sie waren mit höchst zarten Pinselzügen und wun- 
derbarer Gleichförmigkeit aufgetragen; daher seine Kalkma- 
lereien wie Oelgemälde aussehen." Dies Lob ertheilt ihm Ratti 
und sein Meister Mengs urtheilt ziemlich ebenso. 
Ich habe von diesen Künstlern nur die Arbeit del Gua-
        

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