Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1296193
Erster 
Zeitraum. 
Alten. 
Die 
17 
und den übrigenyläessern vergleicht ihn Raffacl in einem 
von Malvasia herausgegebenen Briefe von 1508, wo er seine 
Madonuen lobt, schönere, andächtigere und bessere als welche er 
von keinem andern gesehen habe. Seine Manier hält gleichsam 
die Mitte zwischen jenen beiden Schulenhäuptern und hat von 
Beiden etwas; von Pietro Wahl und Ton der Farben, von 
Bellini Fülle der Zeichnung, meisterlichen Faltenwurf und 
weite Gewänder. In Köpfen kommt er der Sanftheit und An- 
muth des Ersten nicht gleich; ist aber wiirdevoller und man- 
nichfaltiger, als der Zweite. Er eifert Beiden in den Beiwer- 
lzen der Landschaften nach, kommt ihnen aber hierin und in 
Pracht der Bauwerke nicht gleich. In der Anordnung seiner 
Bilder legt er das göttliche Kind lieber nicht in den Schoos 
der göttlichen Jungfrau, sondern anderwürts hin, nach altem 
Brauch seiner Schule; zuweilen fügt er noch einen Heiligen in 
halber Figur hinzu, wie die Venediger jener Zeit pflegen. lm 
Ganzen jedoch nähert er sich mehr der römischen Schule; und 
wie Malvasi-a erzählt, ist es gar nichts Seltenes, dass seine 
Madonnen von minder Erfahrenen dem Pietro zugeschrieben 
werden. In Bologna waren auch Wandmalereien von ihm, die 
Vasari empiiehlt, dort und anderwärts sind viele Altarbilder 
von ihm mit grössern Figuren, als Bellini und Pietro zu 
malen pflegten; ein Vorzug der bologner Schule, der nach und 
nach auch den übrigen zu Theil ward und zur Grossartigkeit 
der Malerei, wie des Heligthums, beitrug. 
Bis jetzt habe ich das grösste Lob dieses Malers ver- 
schwiegen, dass er nämlich bis zu seinem Mannesalter keinen 
Pinsel angerührt hatte und in wenig Jahren Schüler und Mei- 
ster in dieser Kunst ward, der mit den geschicktesten Ferra- 
Tern und Modenesen in die Schranken treten konnte m). Gio. 
äi-wkia 
10) Es weicht so ganz von der Ordnung der Dinge ab, dass ein 
Mensch, in reifern Jahren, mit einem Male, ohne vorhergegangene 
Uebung, als Meister in einer Kunst hervortritt, dass wir diese Aussage 
über F r a n c i aßs plötzliche Entwickelung als grosser Maler doch be- 
zweifeln mijggen, Viel wahrscheinlicher ist, dass er auf seine Schüler- 
ilrbeiten keinen Hrerth legte und die llialerei, da. er ein ausgezeichne- 
1er Goldschmied und Medailleur wer, blos als Liebhaber betrieb, und 
So seine frühern malerischen Versuche unbeachtet vergessen, vielleicht 
Später von ihm selbst vertilgt wurden, als ihn Bentivoglio zu- 
grossen Arbeiten in der Malerei aufgefordert hatte. Wie wäre auch 
m. 13a, B
        

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