Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1298566
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Oberitulien. 
Fünftes Buch. 
Did genueser 
Schule. 
auseriesene dazu, unter anlern von Giulio Romano der 
heil. Stephanus für (lcssen Kirche; vielleicht das reichste und 
ergreifenden: Altarbild, das aus dieses Meisters Pinsel her- 
vorgegangen ist. Damals sammelten auch die einzelnen Her- 
ren auswärtige Bilder aus allen Schulen, wie denn hierin ihre 
Nachkommen ihnen nachgeeifert haben, welche darin fast alle 
Privatleute in Italien, ausgenommen die römischen, iihertrelien. 
S0 mit schönen Mustern bereichert, wendete sich nun das 
Land einem neuen Style zu und erreichte ihn so schnell, wie 
keine andere Schule. Von Brea's noch das vierzehnte Jahrhun- 
dert nicht verläugnendem Style zu Raffael übcrzugeheu hie- 
durfte es nur weniger Jahre; sogar die Schüler des Nizzagyg 
Brea ahmten, wie wir sahen, den grössten neuern llvleiscer 
nach. Ein solcher Anfang konnte nicht anders als fröhlichen 
Fortgang haben unter einem gcistrcichen, betriebsamen Volke, 
einem reichen Adel, der sein Gold am liebsten für glänzende 
Heiiigthümer und prachtvolle iVohnungen verschwendet, Welche 
an Grösse, Zieraten, 'l'eppichen, allen Arten Geräths kaum  
alle durchaus nicht  Königswohnungen nachstehen. Diese Pracht- 
liebe hat stctsjene Malerschule gehegt und unterstiitzßdic, weil sie 
innerhalb Genuas hinlänglich beschäftigt war, ausserhalb nicht 
sehr bekannt ward. ihr auszciehnender Ruhm war nach Menge 
eine Menge wahrhaft ausgezeichneter Wandmaler, so dass kein 
nur einigermasen alter Tempel, oder Palast ist, wo nicht sehr 
schöne Arbeiten, oder Nachrichten von dergleichen ehmals vor- 
handenen übrig wiiren. Merkwürdig ist dabei, dass, ungeachtet 
die Stadt dem Meere ausgesetzt ist, doch so viel alte Wand- 
bilder so unversehrt erhalten sind 3). Auch in Oelmalerei war 
die genueser Schule nicht unberiihmt, besonders hinsichtlich 
der WVahrheit und Kraft des Coiorits, welches durch Perino 
zuerst, dann durch die Niederländer gewonnene Lob sie auch 
immer behauptet und, ausser der venediger, keiner andern Schule 
3) Da Genua am mehr nliltägiygen Ahhange des Gebirges liegt, 
so ist das Klinxa trefflich und die Seeluft kann den Gemälden nicht 
schaden. Ueherhuupt ist die Ausdünnung des Meeres den Malereien 
wol nicht Inaclnheilig, wie man an den Gemälden zu Venedig, An- 
cuna. und Neapel "sieht. Mehr schadet sie Bildwerken von Marmor, 
wie man in der Villa Reale zu Neapel an der berühmten Gruppe des 
farnesischen Stier: gewahr wurde, der deshalb in das Muaeuln ver- 
setzt worden ist.  -Q.
        

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