Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1298281
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Oberitalien. 
Viertes Buch. 
Die ferparer Schule. 
des heil. Johannes zn- Ravenna. Das Bild auf Leinwand ist 
gross, wie der Vorsaal, der es aufnimmt; aber die Menge dar- 
auf ist ausserordentlich, an Gästen, Umstehenden, Dienern, 
Musikchören und Spielern auf Balconen, und in einer Tiefe, 
durch welche man den Garten sieht, andere mit so schöner 
luftperspectivischer Kunst gestellte Tische mit Gästen, dass 
das Auge sich ergehen und ergetzen kann. Ferner ist eine 
lilannichfaltigkeit der Handlung, eine Seltsamkeit der 'I'rach- 
ten, ein Reichthum an Gefässen darin, dass es stets scheint, 
als könne man nicht aufhören zu sehen. Dazu incl einzelne 
Gesichter fleissiger, wie das des Ahasverus, des Gastmahlord- 
ners, eines knieenden Edelknaben, der dem König die Krone 
überreicht, und die einiger Sänger, welche theils durch Würde, 
theils durch 'l"hätigkeit, theils durch Anmuth entzücken. Bo- 
non e hat keine andere Arbeit geliefert, wo er sich, wie andern, 
so gcliel. 
Die Kirche S. Maria in Vado hat noch so viel Gemälde 
von ihm an den Wänden, der Altarwölbung und der Decke mit 
so vollendeter Einsicht in das von Unten nach Oben, dass 
man, um sein ungeheueres Talent kennen zu lernen, diesen 
grossen Tempel sehen muss. Guercino, als er von Cento 
"nach Ferrara kam, wendete Stunden daran und haftete mit 
ganzer Seele nur an Bonone. Ich habe gelesen, dass er sol- 
cher Arbeiten wegen bis zu Coreggio und den Caracci 
erhoben worden ist; und gewiss hatte er viel von jenem Ver- 
fahren: er zeichnete sorgfältig, modellirte seine Figuren in 
Wachs, ordnete die Falten daran, stellte sie an nächtliches 
Licht, um die grosse Wirkung abzunehmen, wonach er mehr 
als die Caracci selbst trachtete. lndess achte ich die allge- 
meine Meinung zu sehr, die nicht Nebenhuhler, sondern nur 
Nachahmer jener grossen Männer kennt; und ich habe mit 
Kennern gesprochen, die an Bonone stetcre Genauigkeit der 
Zeichnung, Wahl der Köpfe, starken Farbenauftrag, und gutes 
Verfahren in der Gründung vermissen. Trotz diesen Ausstel- 
lungen bleibt dieser Künstler immer einer der ersten, die Ita- 
lien nach den Caracci sah. Wiewol jünger, als Scarsel- 
lino, konnte er doch an Verdienst ihm nicht nachgesetzt wcr- 
den; und nie hat die hierüber entzweite Stadt einstimmig dem 
ältern, oder dem jüngern den Vorzug gegeben. Sie hatten
        

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