Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1298186
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Oberitalien. 
Viertes Buch. 
Die ferrarcr Schule. 
in Ferrara, wo es in unverdorbenen Gemälden sehr lobenswerth 
erscheint; nur das Rothbraun liebte er im Fleische sehr und 
um die Farben zu verschmelzen, verdunkelte er scine Bilder in 
einem ganz besondern Geschmack. 
Ausser diesem seinen Meisterwerk malte Filippi sehr 
viel in Ferrara, in dessen Wegweiser er wol, Scarsellino 
ausgenommen, mehr als ein anderer Maler genannt wird. Wo 
er Nackte vorstellte, wie im grossen heil. Christoph in (ler 
Karthause, hielt er sich an Michelangelo; bei bekleideten 
Figuren befolgte er andere Muster, wie man an einer Beschnei- 
dung an einem Altare des Doms sehen kann, welche man eher 
für seines Vaters Arbeit, als seine halten möchte. Da er 
nicht Geduld genug hatte zu erfinden, oder zu malen, so wie- 
derholte er oft dasselbe; wie er denn seine Verkündigung wenig- 
stens siebenmal fast immer nach derselben Weise auffassta 
und wiederholte. Das Schlimmste ist, dass, ausser seinem 
obcrwähnten Weltgerieht, dem grossen Bild der heil. Katharina 
in ihrer Kirche und nicht vielen andern öffentlichen Arbeiten, er 
nichts leicht malte, ohne hier und da es hinzupfusehcn, zufrie- 
den, in jedem irgend einen Meisterzug zu hinterlassen, gleichsam 
als wollte er der Nachwelt zeigen, er sei ein guter, wenn 
auch unfleissigcr, Maler. Die Gemüldesammluugen haben we- 
nig, aber genauer Ausgeführtes von ihm. Ohneron Ferrara 
zu sprechen, sah ich eine Taufe Christi von ihm im Hause 
Acqua zu Osinro und einige Abbilder Michelangelcfs in 
Rom. In der ersten Zeit malte er Grottesken; nachher brauchte 
er zu dergleichen seinen jüngern Bruder Cesare, der ein so 
trefflicher Verzierungsnxaler, als in grossen Figuren und Ge- 
schichten schwach wir. 
Zeitgenoss und Nebenbuhler Filippis war Sigismon du 
Scarsella, welchen die Ferrarer liebkosend Mondino nann- 
ten und noch immer nennen. Drei Jahre in Paolo's des Vero- 
ners Schule erzogen, hierauf wieder dreizehn Jahre in Venedig 
nach dessen Mustern und den Regeln der Baukunst geübt, kehrte 
er in der paolischen Manier ganz fertig nach Ferrara zu- 
rück, befolgte sie jedoch nur von ferne. Die Heimsuchung zu 
S. Croce ausgenommen, welche schöne und wohl bewegte Figu- 
ren hat, findet man in dem letzten Wegweiser in Ferrara nichts 
von ihm angeführt. Die Stadt hat einige Arbeiten von ihm,
        

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