Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1298129
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Oberitalien. 
Viertes Buch. 
Die ferrarer Schule. 
Tisio verwechselt, so dass sogar sein Bildnis für das des 
Tisio gehalten und in die bologner Ausgabe des Vasari als 
solches aufgenommen worden ist. Dort hatte O r t o l a n o 
um 1512 nach den wenigen Werken RaffaePs und nach de- 
nen des Bagnacavallo sich gebildet, dessen Styl er nach- 
her in etlichen Gemälden naehahmte. Da er wegen eines Mords 
früher, als er wollte, abreisen musste, so brachte er es nicht 
zu einer vollständigen Nachahmung RaffaeVs, doch weit 
genug im Geschmack der Zeichnung und der Fernen, womit er, 
wie Baruffaldi sagt, eine rüstigere Farbe, als Raffael 
hatte, verband; und dies ist- dieser Schule fast im ganzen sech- 
zehnten Jahrhundert eigen. Mehrere Bilder von ihnen sind in 
die römischen Sammlungen übergegangen, wo sie, glaube ich, 
heutzutage dem Tisio zugeschrieben werden, dessen erste mehr 
ileissige, als saftige Manier wol mit der des Ortolano ver- 
wechselt werden kann. Andere hat Ferrara noch sowol öffent- 
liche, als in Eigensammlungen, und eins von der gewöhnlichen 
alten Anordnungsart ist in S. Niccolö, mit Angabe des Jahrs 
1520. In der Pfarrkirehe Bondeno befindet sich ein anderes, 
welches Scannelli S. 319 lobt. Es stellt die Heiligen Se- 
bastian, Rochus und Demetrius dar, welcher kriegerisch geklei- 
det, sich ganz nachdenklich auf den Degenknauf in so maleri- 
scher und wahrer Gebärde stützt, dass er auf den ersten Blick 
das Auge gewinnt. 
Es ist kein Wunder, wenn sein Name durch Tisio ver- 
dunkelt wurde, da dieser verdientermassen als der Beste der Fer- 
rarer gepriesen wird. Wir haben schon bei der römischen Schule 
weitläufiger von ihm gehandelt, theils weil er unter Raff aePs 
Schülern eine sehr würdige Stelle einnimmt, theils weil kei- 
ner so häufig in den römischen Sammlungen vorkommt, als 
Benvenuteo. Hier haben wir seinen ersten Unterricht unter 
Panelli erwähnt, aus dessen Schule er sich nach Cremona 
zu seinem mütterlichen Oheim Niecolö Soriani, -und nach- 
her zu Boecaecio Boecacci begab. Als nachher 1499 Nic- 
colö starb, iloh er von Cremona, und hielt sich zuvörderst 
fünfzehn Monate mit dem floreilzer Giüll Baldini in Rom 
auf. Hierauf, ilaehdem er mehrere Städte Italiens besucht, 
weilte er zwei Jahre bei Costa in Mailand, kehrte dann auf 
nur kurze Zeit "nach Ferrara und endlich wieder nach Rom zu-
        

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