Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1298081
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Oberitalien. 
Viertes Buch. 
Die ferrarer Schule. 
beit mitzutheilen hatte, schrieb er ihm das Nöthige, ohne ein 
Wort zu sprechen; ein trotziger Mensch, dessen Inneres sei- 
nem. verwachsenen und ungestalteten Körper aufgeprägt warl 
Sein Talent waren Verzierungen und noch mehr Landschaften, 
worin er, nach Lomazzo's Urtheile, weder Lotto, noch 
Gaudcnzio, noch Giorgione, noch Tizian naehstand. 
Etwas von seinen Verzierungen ist noch im Gesandtenpalast; 
unversehrtere Arbeiten von ihm giebt B a r u ff a l di als im 
Landhause Belriguardo erhalten an. 
Beide Brüder hatten stets für Alfonso und nachher Er- 
cole II. am Hofe zu thun. Sie machten auch die Cartons 
zu den Teppichen für den Dom zu Ferrara, und zu denen, 
in Modcna theils in S. Franeeseo, theils im herzoglichen Pa- 
last, welche mehrere Unternehmungen der Estenser darstellen. 
Ich weiss" nicht, wie weit Vasari Glauben verdient, wenn er 
sagt, Ercole habe P o r d e n o n e eingeladen, Cartons für 
seine Teppiche zu machen, indem er in. Ferrara für Kriegs- 
gegenstände keine guten Zeichner gehabt; und Pordenone 
sei bald nach seiner Ankunft 1540 gestorben, man habe ge- 
sagt, an Gifte. Diese den Dossi, die damals lebten, nicht 
zur Ehre gereichende Stelle mögen wol die ferrarer Schrift- 
steller nicht beachtet haben; sonst hätten sie dieselben wol 
mit WVaEenthaten verteidigt, die auf mehrern Teppichen dar- 
gestellt werden wären. In andern Dingen haben sie sie gut 
verteidigt, namentlich in den Bildern, womit sie ein Zimmer 
der Imperiale, eines Landhauses der Herzöge von [li-bino, 
schmückten. Vasari sagt, „rlie Arbeit sei in lächerlicher 
Manier gewesen; sie seien mit Sehenden vom Herzog Fran- 
cesco Maria geschieden, der Alles, was sie gemalt, habe ein- 
schlagen und von Andern nachlGengars Zeichnungen malen 
lassen gemusst." Auf diese Erzählung hat man erwiedert, „dass 
bloss der Bosheit der Nebenbuhler dies Einschlagen beizumes- 
sen sei, mehr aber noch der Staatsklugheit dieses Fürsten, 
der seine urbiner Maler nicht von ferrarischen übertroffen 
sehen mochteg" Worte Valesio's bei Malvasia (To. Il. 
p. 150:. Ich glaube, man hat auf diese Entschuldigung des 
Valesio zuviel gegeben; und die Barbarei, wie der Beweg- 
grund dazu, welche man dem Fürsten unterlegt, scheinen mir 
seines Sinnes und Geschmacks unwürdig. Ich vermuthe viel-
        

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