Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1297909
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Oberitalien. 
Drittes Buch. 
Die bologner Schule. 
lich, wovon man bei Malvasia lieset; und die von Grilli 
dabei gehaltene Standrede gehört in jede ausgesuchte Malerbi- 
bliothek. Darin wird Gandolfi sehr verständig nicht als 
ein naehahmungswürdiges Muster der Malerei aufgestellt  er 
selbst wagte dies nicht, sondern nahm, höchst bescheiden wie 
er war, keine Schüler an, weil er, wie er zu sagen pflegte, 
selbst noch lernen müsse. Gleichwol hat mancher, von seinem 
grossen Namen geleitetiihm angchangen, und, wie es zu gehen 
pflegt, glücklich sein minder Gutes, besonders seine Tinten, 
nachgeahmt? Darin nun hatte er freilich kaum die ersten An- 
fangsgründe von seinem filtern Bruder gelernt, nachher nach 
den besten Quellen ein Jahr lang in Venedig sich gebildet und 
im Auftrag eines venediger Kunstliebhabers die schönsten Ca- 
racci in Bologna copirt. Ich kann nicht begreifen, wie er 
in manchen Arbeiten, wenn nicht vortreillieh, doch wie die 
guten Künstler seiner Zeit, die Farbe behandelt, in andern 
aber, wie in einem Tode des Sokrates beim Bischof Trenta 
von Foligno, so matt und unwahr; daran muss entweder das 
Alter, oder die Laune, deren man ihn zeiht, Schuld haben. 
Mehr des Nachahmens werth war er in den Vorarbeiten zu 
Gemälden. Er warf die ersten Einfälle mit Bleistift auf Schie- 
fer, sorgfältiger auf Papier hin; hierauf wählte er, bildete 
die Figuren in Kreide vor und bekleidete sie; dann machte er 
die Zeichnung im Grossen, und mit l-lülfe seiner Vorarbeiten 
und des lebendigen Vorbildes führte er nun allmiilich aus und 
besserte nach. Einige haben ihm vorgeworfen, er habe die 
alten Muster allzusehr benützt; wer ihn aber schon alt sich in 
der offenen Akademie nach dem Musterbilde üben sah, wird 
ihn nicht ungerechterweise mit den Raubmalern, deren unsere 
Zeit so viele hat, verwechseln. Unnachahmlich kann man ihn 
ferner den gewöhnlichen Malern nennen in den Gaben, welche 
die Natur ihm freigebig, vielen so karg, ertheilte: Begeisterung, 
fruchtbare Phantasie, Reizbarkeit für Rührungen, Glück in 
Darstellung derselben, sicheres Auge, fertige Hand, nrancher- 
lei Fertigkeiten in schönen Verzierungen für die Anstalt aus- 
ländische Pflanzen und andere Naturseltenheiten zu zeichnen 
und zusammenzustellen, anmuthig zu; stechen und in Ocl wie 
auf Kalk zu malen. Ein mensehenfreundlicher Geschichtschrei- 
ber beurtheilt jeden und stellt ihn jedem in seinen Hauptwer-
        

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