Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Malerei in Italien vom Wiederaufleben der Kunst bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Lanzi, Ludwig Wagner, Adolph Quandt, Johann Gottlob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1295582
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1297721
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Oberitanlien. 
Drittes Buch. 
Die bologuär Schule. 
Uehrigens musste er freilich wol einigen Anlass zu den Be- 
schwerden über die Felsina und andere seiner Schriften durch 
manche allerdings herbe Ausfälle geben, und durch andere wie- 
der, die damals persönliche Gehiissigkeit schienen. Er schreibt 
über diese achtbare Akademie Dinge, die sein verstorbener 
Vater gesagt hatte, die wol besser mit ihm begraben worden, 
wären. Er misbilligt die in seiner Schule eingeführten Ver- 
fahrungsarten und beklagt, dass aus Mangel an guten Mei- 
stern Bologna nicht, wie ehemals, von Lernenden besucht sei. 
Uebrigens iverräth er manche kleine täuschende Kunstgriife, 
welche man "sich erlaubt, z. B. im Arbeitzimmer viel zum Ma- 
len vorgerichtete Bilder aufzustellen, woraus der Zuschauer 
auf die ,Menge der Bestellungen schliessen solle; in einem 
Athem viele anatomische Kunstbenennungen von Muskeln und 
Knochen auszukramen, um sich den Schein tiefer-Gelehrsam- 
keit zu geben; in Flugblättern Beschreibungen und Lobeserhe- 
bungen eines Gemäldes zu geben, die der Künstler allein er- 
sonnen, geschrieben, bezahlt, wahr befunden hat. Solche, 
oder ähnliche Einzelheiten, bei welchen vielleicht dem Leser 
einer oder der andere Künstler einfallen konnte, mussten viele 
Zungen gegen ihn in-Bewegungsetzen, die er freilich wol 
dem Publieum nicht verrathen, weil nicht genannt, aber doch 
beleidigt und zur Rache gereizt hatte. Wenn der Schneider 
auf den Tisch schlägt, wo die Schere unter dem Tuche ver- 
borgen liegt, so klingt sie freilich, verriith sich und wird ge- 
wissermassen an ihr gewohntes Amt, das Tuch zu schneiden, 
erinnert 7). l 
Unter Crespiis Schülern war Gionima, 'wie bereits 
gesagt ward, ein Jüngling; der es nicht über 35 Jahre brachte. 
7) C'est laut camme chez nrms muss hiebei Jeder denken, der die 
Kunslmascliinerien, Akademien genannt, kennt. Solch kleinlich er- 
bärmliches Einscbwärzen lumpiger Einzelheiten gleich lumpiger Per- 
sönlichkeiten! statt Idee und Genius sich offenbaren zu lassen, in jeg- 
liches Streben und Thnn des Menschen gewährt allerdings ein Schau- 
spiel, vor dessen Ekelhaftigkeit nichts rettet, als Ironie und tiefste 
Verachtung. Die beliebten Waixlspriichlein der Aftermenschliclikeit 
von Leben und Lebenlassen, alles duldender Liebe u. s. w. müssen 
sich mindestens bescheiden, nur einer leidendlichen Tugendlehre an- 
zugehören; denn Leben ist um Ende doch Verneinung und, Begie- 
gung des Todes, und Liebe Hass und Verabscheuung alles Gemeinen 
und Geistlosen. W.
        

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